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2/2010 Test "Kick it like Beckham" eine Fußballweltmeisterin trainiert Mädchen Seite 16 Lebensfragen Warum Frau Schrull so schwer erträglich ist Reportage Was Christian Zimmermann mit Herrn Alzheimer anfängt Seite 26 Mandys bunter Osten Wie eine 23-Jährige im Erzgebirge Menschen zusammenbringt Seite 30
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...der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ... JEDEN MONAT NEU: Aktuelles Festivals Filmpolitik Porträts Interviews Themen Filmkritiken DVDs Bücher Fernsehtipps . . . könnte Ihr epd-Film-Abo sein. Lesen Sie unbestechliche Kritiken und informative Geschichten. Lernen Sie die schönsten Seiten des Kinos kennen. TESTEN, SPAREN UND GRATIS-GESCHENKE SICHERN! Bestellen Sie Ihr Probe-Abo per Telefon 069 / 5 80 98 -191 oder im Internet www.epd-film.de/abo Sie erhalten 3 Ausgaben zum Vorteilspreis für nur 9,90 Euro direkt ins Haus geliefert und können epd Film in Ruhe Probe lesen. Sie sparen über 40% anstelle von 17,70 Euro im Einzelverkauf. Gratis Ja, ich möchte 3 Ausgaben epd Film für 9,90 mit den Zugaben bestellen. Vorname Name Straße | Hausnummer Telefon ft "Was nderhe s c he n Da s S o ut im de tut sich + ein XSB Film? " ick mit USB -St GB 2 G e sc h enke PLZ | Ort Datum | Unterschrift AZMP10 Ich bin damit einverstanden, dass Sie mich nach Ablauf des Testangebots telefonisch nach meiner Meinung zu epd Film befragen. Bitte fotokopieren oder ausschneiden und einsenden an: epd Film, Postfach 50 05 50, 60394 Frankfurt; Fax: 069 - 580 98 226
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Diakonie magazin 2/2010 Inhalt Panorama Titelthema Buntes Leben im Erzgebirge Ein altes Kino wird zur Werkstatt für Jugendliche und behinderte Künstler Interview Warum Peter Ackermann kreative Jugendliche fördert Spektrum Diakonie Diakonie im Test Fußballweltmeisterin trainiert Treffer Girls in Köln Meinung Gretel Wildt: Arme Menschen brauchen Rechte Reportage Herr Zimmermann stellt seinen Gast Herrn Alzheimer vor Eine Welt Gartenbank aus Tropenholz? Wir sägen am eigenen Ast Meine Geschichte Nach Angst und Flucht findet Ferol Odehe wieder einen Platz im Leben Titelthema 8 16 22 26 Was man aus einem alten Kino und guten Ideen machen kann, sieht man im Erzgebirge 16 24 26 Diakonie im Test Im Fußball und fürs Leben: Die "Treffer Girls" aus Köln trainieren ihr Gleichgewicht mit Sandra Minnert Reise 18 19 20 22 0 Lebenskunst Vermischtes Aus den Werkstätten der Diakonie Diese Geschirrhandtücher halten ein Leben lang Kultur Reise Pilgern auf der Via Nova Lebensfragen Manchmal kann man jemanden einfach nicht leiden Wie gut es tut, einen Stein fallen zu lassen, erlebt man auf der Via Nova Reportage Impressum Herr Zimmermann lebt mit einem neuen Partner Herrn Alzheimer
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Diakonie, die soziale Arbeit der evangelischen Kirchen, hilft Menschen in Not, im Alter oder in sozial ungerechten Verhältnissen. Fotos: Sibilla Calzolari Ob Rückenmassage oder sportliche Bewegung im Wasser sind sie alle in ihrem Element. Karlies Bartel, Edith Wollschläger (beide links), Renate Hahn (links und rechts), Ingrid Matthecka und Hannelore Pfeffer (beide rechts) trainieren regelmäßig ihre Muskeln und Gelenke. Und manchmal entspannen sie anschließend noch in der Sauna.
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Die Damen leben im Berliner Otto-Dibelius-Wohnstift. Sie freuen sich über die Möglichkeit, sich hier regelmäßig fit halten zu können, ob bei angeleiteter Wassergymnastik oder einfach beim wohligen Planschen und Plaudern. www.wohnstift-otto-dibelius.de
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Diakonie magazin 2/2010 Panorama Panorama Gut auch fürs schmale Hartz-IVBudget ein Platz an der "Tafel" "Geben gibt." zumindest gibt es Spaß! Kampagnenauftakt vor dem Reichstag im März 2010 Wie sinnvoll sind Vesperkirchen? Vesperkirchen, Tafeln, Suppenküchen, Läden mit verbilligten Lebensmitteln sie haben die wachsende Armut in Deutschland erfolgreich ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Zahl derer, die Unterstützung brauchen, wächst. Ein kostenloses Essen schafft etwas Luft im schmalen Hartz-IVBudget. Die Armen werden sichtbar, sie nehmen an den "Tafeln" Platz. Doch hilft dies, die Armut langfristig zu überwinden? Möglichkeiten und Grenzen von Tafeln und Vesperkirchen werden in einem Diakonie-Text, herausgegeben vom Bundesverband der Diakonie, diskutiert. Der Text ist ein Beitrag zum Europäischen Jahr gegen Armut und Ausgrenzung. "Es sollte überhaupt kein Armer unter Euch sein", 5. Mose 14,5, "Tafeln" im Kontext sozialer Gerechtigkeit Download unter: www.diakonie.de/Texte Bezug: Zentraler Vertrieb des Diakonischen Werkes der EKD, Tel: 0711/2159777, Fax: 0711/7977502, Mail: Vertrieb@diakonie.de Geben gibt. Wir machen mit Nach dem erfolgreichen Start im vorigen Jahr ruft die Kampagne "Geben gibt." erneut dazu auf, freiwilliges Engagement sichtbar zu machen und Personen, Initiativen oder Unternehmen für den Deutschen Engagementpreis zu nominieren. Am Tag des Ehrenamts, dem 5. Dezember, wird er feierlich verliehen. Er richtet sich dieses Jahr speziell an Jugendliche. Denn es stimmt ja gar nicht, dass die jungen Leute nur an sich und ihre Karriere denken. Sie engagieren sich in Vereinen, Kirche, Politik oder in Freiwilligendiensten. Diesen Jugendlichen möchte die Kampagne "Geben gibt." auch in der breiteren Öffentlichkeit ein Gesicht verleihen. Für den Deutschen Engagementpreis wird man durch andere vorgeschlagen: Sitzt in der Klasse ein besonders engagiertes Mädchen? Macht der Sohn der Nachbarin eine coole Initative? Schlagen Sie Ihren persönlichen Helden bei "Geben gibt." vor. Online unter www. geben-gibt.de oder per Postkarte. Zahl des Monats Alles gut in Haiti? Die Katastrophe von Haiti liegt nun schon etwas zurück. In Kirchengemeinden taucht deshalb häufiger die Frage auf, inwieweit die Arbeit der Diakonie-Katastrophenhilfe erledigt ist und die Arbeit von "Brot für die Welt" beginnt. Diese Abgrenzung ist im Moment noch nicht möglich. Die Diakonie Katastrophenhilfe organisiert noch immer Nothilfe im Südosten. Gleichzeitig haben aber bereits einige Partner von "Brot für die Welt" mit ihrer Arbeit begonnen. Über den aktuellen Stand der Hilfen, die durch Spenden ermöglicht werden, informiert die folgende Website: www.brot-fuer-die-welt.de/haiti aller diakonischen Angebote gehören zur Jugendhilfe. Dazu zählen auch die Kindergärten und -tagesstätten. Quelle: Einrichtungsstatistik zum 01.01.2008, in: Diakonie/Texte, Statistische Informationen 09/2009 © Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e. V., 70184 Stuttgart Kontakt: Dr. Wolfgang Schmitt, statistik@diakonie.de, www.diakonie.de
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Panorama Diakonie magazin 2/2010 Kuschelbären und harte Männer Sie kann mit der schweren Rettungsschere genauso umgehen wie mit dem schwarzen Kajalstift. Svenja Tegeler ist im Hauptberuf Diakonin und Erzieherin und ehrenamtlich bei der Feuerwehr. Als Teamleiterin ist sie verantwortlich für zwei Wohnhäuser der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. "Am liebsten arbeite ich direkt mit den 32 Bewohnern, die aufgrund ihrer Behinderung Unterstützung benötigen. Auch wenn die Zeit eng ist, lachen wir viel", freut sich die Teamleiterin, die sich auch um Dienstplanung, Qualitätsmanagement und die Vernetzung im Sozialraum kümmert. Im Ehrenamt ist sie Brandmeisterin, und als Notfallseelsorgerin ist sie für die Fachberatung Seelsorge der Feuerwehr Bad Oeynhausen zuständig. Die Brandmeisterin kommt, wenn's brennt. Dass der Kajalstrich unter der Atemschutzmaske verschmiert, ist Svenja Tegeler egal. Aber Brandeinsätze sind eher selten. Viel häufiger müssen Unfallopfer mit der RetGesichter der Diakonie tungsschere aus den Wracks geschnitten werden. Als Notfallseelsorgerin wird Svenja Tegeler bei Suizid oder plötzlichen Todesfällen, auch tödlichen Unfällen gerufen, wenn die Rettungskräfte keine Zeit haben, sich um die Menschen zu kümmern, die noch nicht fassen können, Svenja Tegeler ist Diakonin, Brandwas geschehen ist. Für diese meisterin und Notfallseelsorgerin, Einsätze hat Svenja Tegeler www.wittekindshof.de auch Kuschelbären für die Kinder in ihrem Koffer. "Aber meistens ist es das Wichtigste, dass ein Mensch da ist, der Zeit hat zum Zuhören, der das Schweigen einfach mit aushalten kann." Seit einigen Jahren ist Svenja Tegeler auch für die psychosoziale Unterstützung der Rettungskräfte zuständig. "Im Einsatz funktionieren Feuerwehrmänner und -frauen. Jeder weiß, welcher Handgriff zu tun ist. Die Probleme kommen erst nach dem Einsatz, wenn Bilder von schrecklichen Verkehrsunfällen wieder hochkommen. Svenja Tegeler bekommt auch Anrufe von Rettern, die Angst haben, eines Tages die eigene Freundin bergen zu müssen. Es hat sich herumgesprochen, dass die Diakonin nicht mit Bibel und Gesangbuch missioniert. Sondern dass man mit ihr reden kann über Leben und Tod, Engagement und Hilflosigkeit. "Manchmal reden wir auch über Gott, der bei einem Unfall nicht weggeguckt hat, sondern mitgeht, wenn Menschen ihr Leben riskieren, um andere zu retten!" Mayrs Spitze Anzeigen Fotos: Anke Marholdt; Kampagne "Geben gibt."; Bernd Roselieb Zielorientiertes Management und Controlling in Non-Profit-Organisationen Managementweiterbildung mit Abschlusszertifikat für Führungskräfte in · Kirche und Diakonie · Sozialwirtschaft und NPOs Fundiertes Methodenwissen und Unterstützung bei der Entwicklung passender FührungsA nmeldes chluss instrumente zur Umsetzung des 15. Oktob er 2010 christlich-gesellschaftlichen Auftrags Führungsakademie 4 Kurswochen von 15. Nov. 2010 bis 18. März 2011 für Kirche und Diakonie gAG 030/20 45 97 517 | ehrenreich@fa-kd.de | www.fa-kd.de/npo Berliner Dom I 101781 94x20diamag2_10.qxp 24.02.2010 15:03 Uhr Seite Berlin Für CHRISTLICHE Akademiker und Unternehmer/-innen HARMONIA First-Class-Partnervermittlung · seit 1985 Fair Play Pro Honore® Gütesiegel 0 21 02 / 52 84 52 · Infoband 0 21 02 / 52 84 14 www. harmonia-institut.de
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Diakonie magazin 2/2010 Titelthema Ein altes Kino wird zur Kreativschmiede Irgendwo im Erzgebirge: ein leerstehendes Kino. Dort gammelten junge Arbeitslose herum. Dann entwickelte eine junge Frau mit ihnen neue Ideen: für das Kino, für die berufliche Zukunft der Jugendlichen und für die Bilder von behinderten Künstlern. Fotos: Sibilla Calzolari
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Diakonie magazin 2/2010
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Diakonie magazin 2/2010 Titelthema Mandy Paatsch (23) hatte ihren eigenen Film im Kopf, als sie das leerstehende Kino (rechts) mit "ihren Jungs" zu einer Werkstatt umbaute. "Setzt eich hie und ruht eich e weng aus!" so steht es auf der Parkbank in Bockau, einem Dorf im Erzgebirge, 2500 Einwohner. Die mit schwarzem Schiefer gedeckten Häuser schmiegen sich links und rechts der Hauptstraße an die Berge, dahinter Wiesen und Wald. Durch den Ort plätschert ein im 16. Jahrhundert angelegter Floßgraben, alles strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus. Als ob hier die Welt noch in Ordnung sei. Der Besuch in der Bäckerei Süß, einem Familienbetrieb mit Café, bringt in die Realität zurück. Die Bäckersfrau klagt darüber, dass viele junge Menschen wegziehen, weil sie hier keine Arbeit finden, dass sich der ersehnte Tourismus nach der Wende nicht eingestellt hat, dass viele Gasthäuser und Geschäfte Pleite machen. Ein paar Hundert Schritte weiter ist so ein Gasthaus: die "Sonne". Traurig gammelt das alte Fachwerkhaus vor sich hin. Links daneben, etwas nach hinten versetzt, ein riesiges grau verputztes Gebäude. "Filmtheater", sagt das Schild mit der blau-roten Schrift, die kaum noch zu entziffern ist. Eine steile Treppe führt zum Haupteingang. Die braune Tür haben Spinnen zugewoben, der Schaukasten für die Programmwerbung ist zerstört. Hierhin hat sich schon lange Jahre kein Kinobesucher mehr verirrt. Doch es gibt einen Hintereingang, und da ist Leben. Im baufälligen Filmtheater arbeiten jetzt Jugendliche vom Projekt "Sonne bauen statt klauen". "Besser als auf der Straße herumsitzen und trinken" Im großen Saal stehen sechs, sieben Autos, mit Plastikfolie zugedeckt. Hinten, wo früher einmal die Bühne mit dem Samtvorhang war, ist jetzt ein großes Tor. Davor hat Silvio gerade seinen alten Toyota hochgebockt und repariert etwas am Unterboden. Wenig erinnert daran, dass hier bis Anfang der 90er Jahre regelmäßig Kinovorstellungen stattgefunden haben. Die meisten Jugendlichen haben das auch nicht mehr erlebt und wissen kaum etwas von der Geschichte des Hauses. Außer dem 32-jährigen Marcel Brückner. Er ist Mitglied im Verein und hat jetzt hier einen Ein-Euro-Job. "In den dreißiger Jahren war das ein Tanzsaal, dann mussten im Zweiten Weltkrieg die Im ehemaligen Kinosaal (rechtes Bild), wo vor wenigen Jahren noch Asterix und Obelix über die Römer siegten, bauen heute Marcel Brückner (oben links), Tobias Leichsenring (oben rechts) und Marcus Zick (unten links) Minibikes. Oder sie bereiten mit behinderten Menschen Kunstausstellungen vor.
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Titelthema Diakonie magazin 2/2010
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Diakonie magazin 2/2010 Titelthema Fenster zugemauert werden, und Mitte der 60er Jahre ist ein Kino draus geworden", erzählt er. "Die Gemeinde hat den Raum auch für Festlichkeiten genutzt, für Schulanfang, Schulaufführungen oder Jugendweihe. Jeden Mittwoch um drei gab's Kindervorstellung. Alle Asterixfilme sind hier gelaufen und für die Erwachsenen Terence Hill und Bud Spencer." Stolz zeigt er den ehemaligen Vorführraum mit den viereckigen Projektionsluken. Sogar ein 35-mm-Projektor steht dort noch, nun umringt von Sofas und einem flachen Tisch. Hier sitzen die Jugendlichen, wenn sie reden, Pizza essen oder feiern wollen. Seit 2006 gibt es das Projekt "Sonne bauen statt klauen", das zum Verein Jugendprojekt Oldschool Mechanics Bockau (OSM) gehört. Unter den Initiatoren und Gründern ist auch Mandy Paatsch, 23 Jahre alt. Die gelernte Heilerziehungspflegerin arbeitet im Nachbarort Bad Schlema im Behindertenheim Eva von Thiele-Winckler vom Diakonischen Werk Aue/ Schwarzenberg. Mit 19 kam sie durch Zufall das erste Mal in den Jugendtreff "Sonne" und war entsetzt, wie die Jugendlichen dort hausten: "Sie haben viel Alkohol und andere Drogen konsumiert und sich entsprechend verhalten. Alles hier wirkte heruntergekommen." Sie erkannte aber die Möglichkeiten in dem baufälligen Gebäude und gründete zusammen mit drei jungen Männern aus Bockau, darunter Marcel Brückner, den Verein. Förderanträge ohne Unterlass Vernünftiges tun, das ist das Motiv, warum die Jugendlichen sich hier treffen. Und dabei sind sie recht kreativ. Drei Minibikes haben sie entworfen und gebaut, so klein, dass man meint, sie seien für Kinder. Dabei sind sie bis zu 150 Stundenkilometer schnell. Angefangen hat Tobias mit solch einem Minibike für sein Technik-Abschlussprojekt in der zehnten Klasse: "Da dachte ich, kannst ja mal was Ausgefallenes bauen, was keiner hat. Ich hab mir ein paar Mopedteile zusammengesucht und sie umgearbeitet, eine grobe Idee gehabt und ausprobiert. Und wenn es dann nicht geklappt hat, ein bissel umgeändert." Chris, , und von Beruf Kfz-Mechatroniker, lächelt und seine Augen leuchten: "Man fängt halt an zu bauen, und wenn Probleme entstehen, versucht man, die zu lösen. Der Grundgedanke bei den Minibikes war: so klein wie möglich, so schnell wie möglich." Mit diesen selbst gebauten Fahrzeugen haben die Kreativbastler gleich am traditionellen Bockauer Bergrennen für Oldtimer und Eigenbau teilgenommen und den ersten Platz gewonnen. "Ich tät' bis abends malen!" Der Name Old School Mechanics ist Programm: ein Neustart mit Hammer und Säge, mechanischem Werkzeug eben. Sie wollen den Kinoraum für ihre Zwecke in eigener Arbeit sanieren, die Jugendlichen treffen sich hier und schrauben an ihren Autos, arbeiten zusammen an Projekten, machen gemeinsam Ausflüge und feiern. Mandy Paatsch schrieb Förderanträge, ohne Unterlass. Bis sie das erste Geld für Werkzeug, Maschinen und die Sanierung und Trockenlegung der Außenfassade bekamen. Die soll im Sommer 2010 fertiggestellt sein. 25 zumeist männliche Jugendliche im Alter von 17 bis Mitte 30 gehören zur "Sonne". Am Anfang waren fast alle arbeitslos, das hat sich im Laufe der vier Jahre verändert. Die meisten von "den Jungs" sind nun in Ausbildung oder berufstätig. Auch daran hat der Verein seinen Anteil. Zum Beispiel konnte hier ein Jugendlicher "als letzte Chance" sein Praktikum machen und schaffte später erfolgreich auch seinen Berufsabschluss. Der 19-jährige Tobias Leichsenring gehört seit zwei Jahren zum Verein. Er lässt sich gerade zum Zerspanungsmechaniker ausbilden. In die "Sonne" kommt er fast jeden Tag, auch am Wochenende: "Besser, als wenn man auf der Straße rumsitzt, trinkt und nicht weiß, was man vor lauter Dummheiten anstellen soll." Der 25-jährige Marcus Zick, der in einer Behälterbaufirma in Bockau arbeitet, meint: "Das ist ganz einfach. Hier ist es warm, hier hat man immer jemanden, der beim Schrauben hilft, und dann macht das auch Spaß." Gemeinsam etwas Eines Tages im Winter, als am Gebäude der "Sonne" nicht gebaut werden kann, tritt Mandy Paatsch mit einer überraschenden Bitte an "ihre Jungs" heran: Sie sollen Bilderrahmen bauen. Keine gewöhnlichen, sondern welche, "die so richtig cool aussehen". Dazu gehört eine andere Geschichte, und die beginnt im Nachbarort Bad Schlema. Mandy, die zarte, temperamentvolle Frau, gründete an ihrem Arbeitsplatz im Behindertenheim Eva von Thiele-Winckler eine Kunstgruppe. Am Anfang sind die geistig behinderten Bewohner noch skeptisch, doch schnell fangen sie Feuer und malen mit Freude. Die 54jährige Simone Hoff ist von Anfang an dabei. "Ich habe überhaupt früher nicht gemalt, das habe ich erst durch die Mandy hier im Heim angefangen. Auch keine Handarbeit konnte ich, das habe ich alles erst hier gelernt", erzählt sie. Und dass sie ein bisschen Angst am Anfang hatte, aber die ist "einfach so weggegangen". Auch die 71-jährige Monika Fritzsch hat das Malen für sich entdeckt: "Ich mach's gern, ich tät' bis abends malen. Ist wirklich schön!" Es entstehen farbenfrohe Bilder, zunächst auf Papier. Immer mehr. Das schreit nach einer Ausstellung, denkt sich Mandy und kümmert sich. Doch nun braucht die Gruppe einen Namen, und die Bilder brauchen Rahmen. Der Name findet sich schnell, Simone Hoff hat eine gute Idee: "Da hat die Mandy gefragt, wie nennen wir denn unsere Gruppe, und da hab ich gesagt: Kunterbunt. Weil unsere Bilder immer so bunt und fröhlich aussehen." Die Rahmen bauen dann die "Jungs" aus Bockau, aber wie gesagt "coole": aus Mopedreifen, alten Fenstern oder Schrankverzierungen. Sogar ein runder Tisch, in der Mitte durchgesägt und die eine Hälfte im 90-Grad-Winkel auf die andere montiert, soll als Malvorlage dienen. Die Künstlergruppe kann kreativ werden, die Jugendlichen waren es schon, ohne es wahrhaben zu wollen. Zum Sommerfest im vergangenen Jahr im Behindertenheim haben die Jungs aus
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Titelthema Diakonie magazin 2/2010 Jürgen Sicker und Monika Fritzsch gehen die Ideen für ihre Bilder nicht aus. Von den Jungs aus Bockau bekommen sie dafür ganz besondere Rahmen aus Mopedreifen, alten Fenstern oder Schrankverzierungen. Im Sommer sind ihre Bilder sogar im Europäischen Parlament in Brüssel zu sehen. der "Sonne" lebensgroße Spielgegenstände gebaut, eine Zielwurfscheibe zum Beispiel und Puppen mit Eimern rechts und links, die die Bewohner mit Sand ausbalancieren mussten. Die erste Ausstellung fand in der "Galerie der anderen Art" in Aue statt, danach hingen die Bilder in allen Außenstellen der ARGE Erzgebirge, im Berufsschulzentrum in Aue, im Kurbad in Bad Schlema und auch im Landtag. Demnächst reisen sie sogar ins Europäische Parlament nach Brüssel. Organisiert wird das alles von Mandy. "Ich hab von meinen Jungs immer gedacht, dass die was können, und das weiß ich auch von meinen Bewohnern. Wenn wir die Bilder ausstellen, dann können wir dabei auch zeigen, dass diese Menschen richtig was auf dem Kasten haben. Das ein bisschen voranzuschieben, das war meine Motivation", sagt sie und fügt hinzu: "Eigentlich sollte es doch die Pflicht eines jeden jungen Menschen sein, Dinge bewegen zu wollen, oder?" Gemeinsam wegfahren, Aufmerksamkeit erleben unglaublich, was das für die Lebensqualität bedeutet Zu den Ausstellungseröffnungen fahren die Jugendlichen aus der "Sonne" und die Kunstgruppe "Kunterbunt" zusammen.
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Diakonie magazin 2/2010 Titelthema Für alle Beteiligten sind das die Highlights. Vor allem natürlich für die Künstler, denn sie stehen im Licht der Öffentlichkeit, müssen Fragen beantworten, sollen etwas zu ihren Bildern sagen. "Unglaublich, was das für die Lebensqualität unserer Bewohner bedeutet", sagt Rüdiger Vogel, der Hausleiter vom Eva-von-Thiele-Winckler-Heim und dort verantwortlich für die pädagogische Arbeit. "Wir fahren weg miteinander, wir schlafen in Hotels, wir erleben eine Aufmerksamkeit, die ist immens. Schon die Vorfreude ist enorm, die Tage selber sind richtig schön und wirken noch lange nach. Und die Veränderungen, die mit den Bewohnern vorgehen, die Gesichter, die dann nicht mehr von irgendeinem Frust oder Schub gezeichnet sind, sondern sich entspannen und lachen das ist genial." Die Welt jeden Tag ein klitzekleines Stück verändern Hier in der Werkstatt gibt es immer jemanden, der beim Schrauben hilft und mit dem man auch mal einen Kaffee trinken kann. Zum Beispiel im Vorführraum (unten) des ehemaligen Kinos, der heute als Küche genutzt wird. Aber auch die Jungs aus der "Sonne" machen ganz neue Erfahrungen. Es ist der Umgang mit Kunst, und es ist der Umgang mit den behinderten Menschen, der sie in eine für sie zunächst fremde Welt eintauchen lässt. "Teilweise wirken die Bilder halt mehr wie von einem Kind gemalt", meint Chris, "es ist keine Sixtinische Kapelle, aber man sieht da schon einen Sinn dahinter." Ihm gefallen die Bilder, wie auch Marcus: "Also mancher kann da als ,Normaler' nicht so gut malen. Da muss halt Kreativität dafür da sein, das liegt nicht jedem." So wie die Jugendlichen mit Hochachtung über die künstlerischen Arbeiten der Behinderten sprechen, so denken sie auch über die Behinderten selbst. Doch das Zusammensein mit ihnen fällt den jungen Männern noch etwas schwer. Vor allen Dingen wenn sie, die auch nicht gerade Meister der gepflegten Unterhaltung sind, mit ihnen länger sprechen sollen. Beim gemeinsamen Abendessen im Gasthaus "Waldeck" setzen sich also die Jugendlichen an die rechte Seite des Tisches, die Heimbewohner sitzen links, in der Mitte Mandy. Sie versucht, zu vermitteln, zu ermuntern. "Es ist schon schwierig", sagt sie, "unsere Bewohner mit Jugendlichen, wie ich sie halt in der ,Sonne' hab, zusammenzubringen. Und trotzdem staune ich jedes Mal wieder, wie gut es dann doch klappt und wie sich meine Jungs da auch öffnen und sich auf die Bewohner einlassen. Und toll ist, wie furchtlos unsere Bewohner auf die Jugendlichen zugehen. Da kann man nur staunen!" Mandy weiß, dass sie sich in Geduld üben muss, dass die Jugendlichen wie auch die Behinderten Zeit brauchen, sich aneinander zu gewöhnen. Marcel Brückner hat es bei sich selbst festgestellt: "Am Anfang war es schon komisch. Man kommt mit solchen Leuten sonst nicht zusammen, da weiß man nicht richtig, was man tun soll. Aber ich war jetzt schon oft mit Mandy auf der Arbeit, da ist das mittlerweile ganz normal. Es sind eben wirklich viele Vorurteile, die wir so haben." Marcus, Chris und Tobias fühlen sich da noch nicht so sicher. "Man weiß ja auch nicht, wie man sie ansprechen kann und wie sie darauf reagieren. Das weiß man ja nicht als ungelernte Kraft", erklärt Tobias. Aber auch er merkt: Je öfter sie alle zu- Kontakt "Sonne bauen statt klauen", Mandy Paatsch, email: Projekt-sonne@web.de Ausstellungen mit Bildern von behinderten Künstlern sind keine Seltenheit. Etwas Besonderes aber ist es, wenn sozial benachteiligte Jugendliche und geistig Behinderte gemeinsam dazu beitragen, dass Kunst entsteht und der Öffentlichkeit gezeigt wird. Das Projekt "Sonne bauen statt klauen" erhielt eine Auszeichnung von der Jury für den "innovatio 2009", den Sozialpreis für caritatives und diakonisches Handeln. Bei Redaktionsschluss erhielten wir die Nachricht, dass der Vermieter des Projekthauses insolvent ist und das Haus verkaufen muss. Das Projekt kann jedoch nur erhalten werden, wenn der Verein es selbst kauft. Er bittet daher dringend um Spenden. Die Spendenadresse: Jugendprojekt OSM Bockau e.V., Kontonr.: 3612000950, BLZ: 87056000, Sparkasse Aue-Schwarzenberg. sammen sind, umso besser können sie miteinander umgehen und einander verstehen. Im vergangenen Jahr erhielt das Projekt eine Prämie beim "Innovatio 2009", dem Sozialpreis für caritatives und diakonisches Handeln. Die Auszeichnung nahmen die Künstler und die Jugendlichen gemeinsam in Berlin entgegen. Dass sie bei der Preisverleihung sein durften, fanden natürlich alle "schön" und "cool". "Ich denke, wenn jeder dort, wo er gerade ist, sein Möglichstes gibt, um die Welt ein klitzekleines Stück zu verändern", sagte Mandy Paatsch in ihrer Dankesrede, "dann müsste sie doch insgesamt jeden Tag besser werden, oder?" Barbara Felsmann
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Titelthema Diakonie magazin 2/2010 Interview Peter R. Ackermann Rechtsanwalt und Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Kinderstiftung, die er 2004 gegründet hat Für mehr Chancengleichheit Der Berliner Rechtsanwalt Peter R. Ackermann fördert am liebsten engagierte Jugendliche Was veranlasste Sie, Ihr Vermögen von drei Millionen Euro in eine Stiftung zu stecken? Das Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2: Dort heißt es: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Was ist Ihr Ziel? Wir wollen zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen. Wir wollen Kinder und Jugendliche zur Mitgestaltung ihres eigenen Lebensumfeldes in einer toleranten, demokratischen Gesellschaft befähigen. Engagement und Übernahme von Verantwortung setzen Bildung voraus. Wie erreichen Sie das? Wir unterstützen zum einen Projektgruppen aus Schulen und Jugendvereinen finanziell. Außerdem fördern wir einzelne Jugendliche mit dem Ziel, interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. Realschüler, die vor dem Einstieg in Ausbildung oder Beruf ein Jahr im Ausland verbringen. Die üblichen Schüleraustauschprogramme wenden sich bisher ausschließlich an Gymnasiasten. Das ändern wir gerade. Wie sind Sie auf das Thema Ihrer Stiftung gekommen? Mit zehn Jahren kam ich zu den Pfadfindern. Mit Jugendverbands- und Bildungsstättenarbeit war ich bis zur Referendarzeit ehrenamtlich befasst. Der wichtigste Aspekt dieses Themas waren immer Bildungsfragen, über die wir in Deutschland jetzt viel diskutieren. Leider gehen bei uns Bildung und Besitz mehr Hand in Hand als in anderen OECD-Ländern. Das heißt: Wer nichts besitzt, hat weniger Zugang zu Bildungsangeboten. Darüber sollten aber nicht nur Sonntagsreden gehalten werden; wir müssen etwas tun. In Ostdeutschland besteht besonders wenig Chancengleichheit. Daher engagieren wir uns hauptsächlich dort. Erreichen Sie Menschen, die sonst vom Staat nicht erreicht würden? Ja. Die Antragsteller wenden sich doch gerade deshalb an uns, weil der Staat sehr wenige Mittel für die außerschulische Jugendarbeit bereitstellt. Viele der von Ihnen unterstützten Projekte fördern kreative Fähigkeiten von Kindern. Warum? Uns geht es nicht darum, dass die Kinder hier alle malen. Unsere Programme sollen eher das Verständnis Jugendlicher für verschiedene Kunstrichtungen fördern. Wir werden im Stiftungshaus bald auch einen Chor haben. Singen in der Gemeinschaft ist eines der pädagogisch besten Erlebnisse, die man überhaupt anbieten kann. Wünschen Sie sich Nachahmer? Sicher. Aber das ist nicht einfach. Ich hatte gehofft, dass mir viele wohlhabende Mitmenschen helfen, eine relevante Betriebsgröße zu erreichen, die ich erst jenseits von zehn Millionen Euro sehe. Das war aber ein Trugschluss. Wer erhebliche Summen spenden will, errichtet selbst eine Stiftung. Was neben Ihrem Schüleraustauschprogramm fördern Sie am liebsten? Wir finanzieren vor allem Projekte von Jugendlichen, die sich engagieren. Etwa Schüler, die eine selbst hergestellte Wahlzeitung unter Erstwählern verteilen und so dazu beitragen, dass ihre Mitschüler Sinn und Ablauf von Wahlen verstehen. Oder Schulklassen und Jugendgruppen, die ihr Umfeld mobilisieren, wenn es im Bezirks- oder Kreistag um Dinge geht, die sie unmittelbar betreffen, wie die Ausstattung von Jugendbildungsstätten oder zeitgemäßer um Maßnahmen, die deren Schließung verhindern. Ist soziales Engagement leichter, wenn man Geld hat? Ja. Zwar sind auch nebenberuflich verfügbare Zeit und Leidenschaft für gemeinnützige Zwecke wichtig. Mit Geld kann man aber engagierte Menschen dafür gewinnen, ihre beruflichen Fähigkeiten in Vereinen zu entfalten. Dafür muss man ihnen aber einen wettbewerbsfähigen, sicheren Arbeitsplatz bieten. Die Fragen stellte Justine Schuchardt Foto: privat
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Diakonie im Test In dieser Rubrik stellt sich die Diakonie mit ihren Einrichtungen dem Urteil von Experten. Diesmal war die ehemalige Fußballweltmeisterin, Sandra Minnert, auf Stippvisite bei der Kölner Mädchenmannschaft "Treffer Girls" auf einem Turnier von "Köln kickt". Kick it like Beckham Auch Mädchen spielen begeistert Fußball. Und auf dem Bolzplatz im Problemviertel kann man vieles lernen, was im richtigen Leben hilft Köln-Buchheim ist ein Brennpunktviertel. Das lässt sich auch nicht durch die bunte Farbe beschönigen, mit der die städtische Wohnbaugesellschaft vor einiger Zeit versucht hat, die drei- und viergeschossigen Wohnblocks etwas aufzupeppen. Tina Kilders und Lutz Gebhard leiten hier das Diakonie-Jugendhaus "Treffer" und kennen die Probleme. An diesem Nachmittag organisiert das Jugendhaus zusammen mit der Initative "Köln kickt" ein Fußballturnier für Jugendlliche. Viele Migrantenkinder sind dabei, der Umgangston unter den Jugendlichen ist rau und eine Grundaggressivität mitunter spürbar allerdings eher abseits des Fußballplatzes. Die Jugendlichen sind mit Feuereifer dabei, engagiert und fair. Vielleicht auch deshalb, weil der Besuch heute eine natürliche Autorität hat: Eine ehemalige Doppel-FußballweltSandra Minnert am 7. April 1973 in Gedern geboren 147 Länderspiele Vereine: SC 07 Bad Neuenahr, 1. FFC Frankfurt, Washington Freedom, TSV Siegen, FSV Frankfurt, TSG Bleichenbach Weltmeisterin 2003 und 2007 Europameisterin 1995, 1997, 2001 und 2005 Olympia-Bronze 2000 und 2004 UEFA-Cup-Siegerin 2007 Deutsche Meisterin 1995, 1998 und 2001 bis 2003 DFB-Pokal-Siegerin 1995, 1996, 1999 und 2000 bis 2003 Botschafterin für die FIFA-Frauen-WM 2011 in Deutschland Fotos: Matthias Hangst
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Spektrum Diakonie magazin 2/2010 meisterin hat zu einer kleinen Trainingseinheit gebeten. "So bereitwillig strengen die sich nicht immer an", sagt Julia Vetter. Jeden Dienstag trainiert die Sportstudentin hier mit ca. 15 Mädchen und versucht, aus der Truppe der Elf- bis 15-Jährigen eine Mannschaft zu formen. Sandra Minnert ist beeindruckt. Ihrem Kennerblick ist nicht entgangen, dass die Arbeit der Trainerin auf fruchtbaren Boden fällt. "Da sind schon Talente dabei", meint sie und bedauert, "dass es bei den Mädchen nicht wie bei den Jungen Sichtungen gibt. Da hängt alles vom Trainer ab. Wenn er Talent nicht bemerkt und nicht richtig reagiert, hat ein Mädchen kaum eine Chance, nach oben zu kommen." Sandra Minnert kennt sich auf Bolzplätzen wie diesem in Köln-Buchheim gut aus: "Meine ehemalige Nationalmannschaftskollegin Steffi Jones stammt aus einem ähnlichen Viertel und ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie Fußball helfen kann, auch mit schlechteren Startbedingungen erfolgreich zu sein", meint die Vorgaben von Sandra Minnert durch und drüber springen. Eine Aufgabe, die alle von ihnen ordentlich und einige tadellos meistern. Die WM-Botschafterin ist zufrieden: "Diese Übung haben wir im Training für die Nationalmannschaft öfter gemacht, und da waren einige Spielerinnen, die hatten mehr Probleme damit als manche der Mädels hier", meint sie anerkennend. Was sie in den vergangenen zwei Jahren im wöchentlichen Fußballtraining sonst noch gelernt haben, zeigen die "Treffer Girls" dann auch in zwei Mannschaften im Turnier gegen "Bayern München" und die "Cologne Street Fighters". Beides sind Jungenmannschaften. "Das ist meistens so es gibt zu wenig Mädchenmannschaften", sagt Tina Kilders. Die Initiative "Köln kickt" veranstaltet in der wärmeren Jahreszeit täglich solche Turniere und alle vierzehn Tage sind sie in Köln-Buchheim. ",Köln kickt ist in erster Linie ein pädagogischer Ansatz, und dann erst ein sportlicher", sagt Sebastian Koerber, der die Training mit der Doppelweltmeisterin: Sandra Minnert (oben links) zeigt den Mädchen der "Treffer Girls" in Köln-Buchheim, dass ein gekonnter Umgang mit dem Ball allein nicht reicht. Abwehrspielerin, die vor drei Jahren ihre Karriere mit einem kaputten Knie beenden musste. Inzwischen reist die ehemalige Weltklassefußballerin für den DFB als Botschafterin für die Frauen-WM 2011 in Deutschland durch das Land, um noch mehr Menschen für den Damenfußball zu begeistern. Dass sie sich mit Kickschuhen auf dem Platz immer noch pudelwohl fühlt, sieht jeder. Die 37-Jährige mit der TrainerA-Lizenz will den "Treffer Girls" zeigen, dass die Arbeit mit dem Ball nicht alles ist, sondern der Weg zur erstklassigen Fußballerin nur über gute körperliche Koordination und einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn führt. Deshalb hat sie zwei "Koordinationsleitern" eingepackt je zwei Seile mit querliegenden Plastikstreifen. Da sollen die Mädchen nach den Initiative 2006 ins Leben gerufen hat. Den Sport versteht er als Vehikel, um die Jugendlichen zu erreichen und ihnen zu helfen, im normalen Berufsalltag voran und zurecht zu kommen. "Nach ein paar Generationen Hartz IV hat der regelmäßige Gang zur Schule oder zur Arbeit einfach keine Tradition mehr", weiß Koerber. Dementsprechend sind die Regeln beim Turnier der Straßenfußballinitiative auch etwas lockerer als im regulären Ligabetrieb der Vereine. An diesem Nachmittag wird mit vier Feldspielern und einem Torspieler in Vor- und Rückrunde nach dem System jeder gegen jeden gespielt. Die Spielzeit pro Partie dauert nur fünf Minuten, "damit die Schwächeren nicht so hoch verlieren", sagt Projektleiter Andreas Müller. Am Ende sind die "Treffer Girls 1" auf dem vierten Platz, und die "Treffer Girls 2" haben sich mit Können und Engagement auf Platz 2 vorgekämpft. Besser sind nur noch die Jungs von "Bayern München". Die Bayern haben wie oft im deutschen Fußball eben auch in Köln-Buchheim Hubert Heinz die Nase vorn. www.treffer-buchheim.de, www.koelnkickt.de
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Diakonie magazin 2/2010 Lebenskunst Vermischtes Aubauen anzünden gratulieren. Das Geschenkset in der Zündholzschachtel Frühlingsglaube Die linden Lüfte sind erwacht, sie säuseln und weben Tag und Nacht, sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muss sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag, das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal: Nun, armes Herz, vergiss der Qual! Nun muss sich alles, alles wenden. Last-MinuteGeschenk Geburtstag vergessen? Hilfe, kein Geschenk? Kein Problem mit dem Geburtstagsset aus der Hosentasche. Gut, wenn man es vorrätig hat. Aufbauen anzünden feiern. In der Streichholzschachtel ist alles drin: Kerze, Schokolade, Liedblatt oder Gedicht und . . . mehr wird nicht verraten! Bestellungen: Eisenacher Werkstatt für behinderte Menschen, Tel: 03691/7452623, Mail: copy@diakonie-verbund.net Preise: 1 49 Exemplare: 3,35 Euro/Stück, bis 99 Exemplare: 3,25 Euro/Stück. Weitere Staffelpreise auf Anfrage. Wohin mit dem bisschen Geld? Meistens hat man zu wenig, und die Frage stellt sich so nicht. Aber manchmal hat man auch etwas auf der Seite für später, als Ergänzung zur Rente, für größere Anschaffungen oder fürs Studium der Kinder. Doch das Vertrauen in die Anlageberater der Banken ist geschwunden. Gibt es eine Alternative? In Mechthild Upgangs Buch "Gewinn mit Sinn" erfährt man viel über nachhaltige Geldanlagen, über grüne Aktien und über Investitionen in nachwachsende Ressourcen. Und es wird erklärt, wie man Mikrofinanzsysteme unterstützt. Außerdem ist das Buch eine kleine Einführung in die Finanzwelt verständlich geschrieben. Auch für die Leser, die gerade gar kein Geld flüssig haben. Kann ja noch kommen. Oekom-Verlag, München 2009, 288 Seiten, 18,90 Euro Fotos: Rüdiger Dempfle; Stiftung Eben-Ezer Ludwig Uhland Gefunden in: Für jeden neuen Tag. Gedanken, Geschichten, Gebete, Heft 36, Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD), Postfach 101142, 70010 Stuttgart, Tel: 0711/2159222. www.a-m-d.de
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Diakonie magazin Aus den Werkstätten der Diakonie In trockenen Tüchern Tropfnasses Geschirr ist hier bestens aufgehoben. Die hochsaugfähige Baumwolle der handgewebten Geschirrtücher lässt dem Nass keine Chance. Mit den bunten Geschirrtüchern macht sogar das sonst unbeliebte Abtrocknen Spaß. Diese Handtücher halten ein Leben lang, das ist keine textile Massenproduktion. In der Handweberei der Werkstatt Stiftung Eben-Ezer wird textile Qualität in aktuellen Mustern und Farben hergestellt. Aus eigener Produktentwicklung und mit meisterlicher Hand vorbereitet und unterstützt, verarbeiten die behinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Flachs, Leinen, Baumwolle und Wolle zu schönen, haltbaren Produkten. Preis: 4,80 Euro pro Stück zzgl. Versandkosten Stiftung Eben-Ezer In der Werkstatt der Stiftung Eben-Ezer werden über 500 Menschen mit Behinderungen in unterschiedlichen Bereichen beschäftigt, zum Beispiel in der Handweberei. Andere Bereiche sind die Holz- und Metallbearbeitung, industrielle Montagen, Hauswirtschaft, Garten- und Landschaftsbau und Landwirtschaft. www.eben-ezer.de
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Diakonie magazin 2/2010 Lebenskunst Kultur Pergolesi: Dixit Dominus, Salve Regina Zum 300sten Geburtstag unbekannte Kantaten, Psalmen und andere kirchliche Werken von Pergolesi, die in nichts dem berühmten "Stabat mater" nachstehen. Dirigent Abbado zeichnet Kontraste von Dramatik bis zu lyrischer Zurückgenommenheit. Das "Dixit Dominus" mit zwei Chören und zwei Orchestern bildet den Höhepunkt der CD, weist es doch Pergolesi als Meister opernhafter Kirchenmusik aus. Orchestra Mozart, Coro della Radiotelevisione Svizzera, Deutsche Grammophon CD 28947784654 Erzähl mir was vom Regen Eine Politikerin aus Paris muss für den Wahlkampf zurück in ihre südfranzösische Heimat. In der Begegnung mit ihrer Familie und alten Bekannten trifft sie auf ihre eigene teilweise verdrängte Geschichte. Liebevoll entlarvt die Regisseurin Agnès Jaoui kleine Schwächen und große Lebenslügen, die wir alle in uns tragen. Sie erzählt mit Sinn für Situationskomik von den Schwierigkeiten, sich und andere wirklich zu erkennen. Alamode/Alive, ca. 15 Euro Herzogenberg: Kammermusik Elisabeth und Heinrich von Herzogenberg, Freunde von Johannes Brahms, haben beide auch komponiert. Das innovationsfreudige Minguet-Quartett hat jetzt mehrere CDs mit Streicherkammermusik von Heinrich von Herzogenberg vorgelegt. Häufig greift der musikalische Satz in satte, orchestrale Dimensionen aus, die sensibel vom Minguet-Quartett interpretiert werden. Ein Muss für Liebhaber romantischer Kammermusik. Quintett op. 77, Quartett op. 18, cpo 777083-2 Sisters in Law Sie sind parteiisch. Die energische Staatsanwältin Vera Ngassa und die ruhige Richterin Beatrice Ntuba aus Kumba in Kamerun stehen im Zweifel für Frauen und Kinder ein. Weil die Gesellschaft hier immer auf der Seite der Männer steht. Drei Fälle der "Sisters in Law" lernen wir in dem beeindruckenden Dokumentarfilm der britischen Regisseurinnen Florence Ayisi und Kim Longinotto kennen. Sie lassen hoffen, dass in dem afrikanischen Land dank engagierter Juristinnen etwas in Bewegung gerät. Ventura Film, OmU, ca. 24 Euro Jo Ambros: Wanderlust Der Gitarrist Jo Ambros reist mit neun Musikern um die Welt: Einflüsse fernöstlicher Musik, von argentinischen Tangos, europäischem Rock und Jazz sind hörbar, Musikzitate von Duke Ellington oder Frank Zappa. Die Einspielung überzeugt durch Spielfreude und ist rhythmisch sprühend, melodisch einfallsreich, mit fremdartigen Klängen von Free Jazz bis zu hin klassisch kammermusikalischen Elementen. Fenn Music/ dml records CD 016 Die 14-jährige Maeve und ihre Freundinnen bilden eine stabile Mädchenclique. Doch angesichts erster Erfahrungen mit Jungs und Eifersüchteleien kommt es schon mal zu Konflikten. Marian Quinns Debutfilm "32A" spielt in Dublin im Jahr 1979. So atmosphärisch Ort und Zeit gezeigt werden, so zeitlos sind die Themen. Packend und feinfühlig erzählt der Film von Unsicherheit, Freundschaft und Loyalität an der Schwelle zum Erwachsensein. Absolut Medien, OmU, ca. 16 Euro Fotos: PR
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Lebenskunst Diakonie magazin 2/2010 Bücher für Jung . . . Krüss: ABC, Arche Noah sticht in See Als Noah mit seinen Söhnen die Arche zu bauen begann, da halfen ihm unglaublich viele Tiere. Sprachspielerisch hangelt sich James Krüss durchs Alphabet und reimt mit einer Strophe pro Buchstabe die biblische Geschichte von der Sintflut. In warmen Farben leuchten die großflächigen Bilderbuchillustrationen von Günther Jakobs. Detailreich, witzig und auch dramatisch: ein Klassiker in schönem neuem Gewand. Ab 5 Jahren, Gabriel, 32 S., 12,90 Euro. . . . und Alt Victor Lodato: Mathilda Savitch Mathilda, 13 Jahre alt, versendet E-Mails im Namen ihrer älteren toten Schwester, die von einem Unbekannten vor den Zug gestoßen wurde. Dabei taucht sie in deren wirres Leben ein. Anders als ihre Eltern erstarrt Mathilda nicht in Trauer, sondern entdeckt eine völlig neue Person. Das fremde Leben ängstigt und fasziniert sie. "Nicht alles, was man auf dem Herzen hat, schafft es über die Lippen", ist das Motto dieses modernen Entwicklungsromans. C. H. Beck, 301 S., 17,90 Euro Richter: Hexenwald und Zaubersocken Zwei Außenseiter treffen in "Hexenwald und Zauberkessel" aufeinander, um für immer zusammenzubleiben. Die hübsche junge Hexe Karla und Robert, der Kohlenschlepper, erzählen einander Geschichten. In Jutta Richters neuem Kinderbuch mischen sich wunderbar verschlungen Märchen und Realität. Es geht um die Liebe zu Geschichten und um den Zauber, der offenen Menschen innewohnt. Ab 8 Jahren, Hanser, 90 S., 9,90 Euro. Schoeps: Das Erbe der Mendelssohns Der Komponist ist bekannt. Aber wer weiß schon von der europaweiten Verzweigung dieser großen Familie Mendelssohn? Schoeps stellt die Familienzweige Mendelssohn dar, schildert ihre Geschichte als Bankiers und Unternehmer mit internationalem Wirkungskreis bis Russland und Estland, untersucht ihre einzigartige Rolle als Sammler und Mäzene und beschreibt den von den Nationalsozialisten erzwungenen Niedergang der Familie in bislang unbekannten Details. Spannend wie ein Krimi. S. Fischer, geb., 490 S., 29,95 Euro Marie-Aude Murail: Über kurz oder lang Der vierzehnjährige Louis fühlt sich in der Schule so unwohl wie in seiner Familie. Bei einem Praktikum in einem Friseursalon erfährt er Anerkennung und begreift, was er im Leben machen möchte. Marie-Aude Murail erzählt, fein zwischen Komik und Drama changierend, von einem Jungen, der aus der Resignation aufwacht und vorsichtig zu kämpfen beginnt. Dabei verändert er nicht nur sich, sondern auch seine Umgebung. Ab 12 Jahren, Fischer Schatzinsel, 224 S., 12,95 Euro. Brigitte Kronauer: Zwei schwarze Jäger Alles scheint der Fantasie der Schriftstellerin Rita Palka zu entstammen, die sich auch selbst unter ihr skurriles Personal mischt: die Rollstuhlfahrerin, die ihren ehemaligen Liebhaber bittet, den Don Juan der Nachbarschaft zu spielen; die Kassiererin, die ihrem Alltag entflieht und Prostituierte wird; oder der Lektor, der sich in einen Kellner verliebt. Sie alle träumen von einem anderen Leben. Witziger, märchenhafter Roman. Klett-Cotta, geb., 286 S., 21,90 Euro
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Reise Jeder Schritt befreit Es muss nicht immer der Jakobsweg sein. Auf dem Pilgerpfad Via Nova kann man durch niederbayerische Landschaften laufen, zur Ruhe kommen und nebenbei alle Sorgen fallen lassen Pilgern ist en vogue: Der Jakobsweg Santiago de Compostela ist der Inbegriff für Pilgern. Doch nicht alle Wanderungen müssen nach Galicien führen. Auf der jungen Via Nova geht es durch Ostbayern, Oberösterreich und neuerdings auch durch Tschechien. Rechts, links, rechts, links, immer einen Fuß vor den anderen, so habe ich zwei Tage lang etliche Kilometer in der Landschaft Ostbayerns zurückgelegt. Schauend, schweigend, staunend. Ich gehe und gehe oder geht es mittlerweile mich? "Wer mit dem Gepäck auf dem Rücken unterwegs ist, entschleunigt automisch", sagt Helene Uhrmann-Pauli. Seit 2005 ist die Pilgerführerin immer wieder auf der Via Nova unterwegs. Als Pilger unterwegs zu sein das steht zugleich für die Suche nach sich und nach Gott. "Unterwegs gehen auch die Gedanken, das macht Platz für Fragen des Lebens und Glaubens", erzählt Helene, nachdem sie das unter Pilgern übliche Du angeboten hat. Etwa zwei Tage dauere es, bis der Alltag hinter einem bleibt und der Kopf frei wird, so ihre Erfahrung. Manch einem kommen dabei neue Ideen. So ging es Bürgermeister Johann Spatzenegger aus dem österreichischen Seekirchen, als er mit Zigtausend anderen Pilgern auf dem 750 Kilometer langen Camino de Santiago zum Grab des Apostels Jakobus unterwegs war. Zu Hause gab er den Anstoß: "Lasst uns einen neuen geistlichen Weg schaffen, der Menschen zu sich selbst führt. Über Ländergrenzen und Konfessionen hinweg." Vor fünf Jahren eröffnete schließlich in Aigen am Inn der europäische Pilgerweg Via Nova. 75 Gemeinden in Bayern und Österreich verbindet der etwa 280 Kilometer lange Fußweg vom niederbayerischen Kloster Metten zum Wolfgangsee in Oberösterreich heute. Es ist ein europäischer Weg, der wächst. In diesem Sommer kommen Strecken vom bayerischen Vils-hofen ins tschechische Píbram dazu. Fotos: Simone Spohr
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Lebenskunst Diakonie magazin 2/2010 Abends sinke ich müde, aber frohgemut in der Benediktinnerinnenabtei Kloster Neustift bei Ortenburg ins Bett. Früh geht es am Morgen weiter. Etwa 27 Kilometer sind es von Ortenburg nach Bad Griesbach. Brote, Obst und Wasser sowie Sonnencreme schnell im Rucksack verstaut, und los gehts. Im Mittelalter sollten strapaziöse Wanderungen von Übeln befreien und zur religiösen Erleuchtung führen. Erkenntnisgewinn suchen Pilgerer auch heute. Die Route in Ostbayern trägt den Untertitel "Wegweisung für das 21. Jahrhundert". Jede Gemeinde am Weg gestaltete ihren Abschnitt. Die evangelische Enklave Ortenburg im Klosterwinkel entschied sich für die Bibel als Zeichen gelebter Ökumene. Im 16. Jahrhundert war die Gemeinde Zufluchtsort für protestantische Glaubensflüchtlinge, 1573 wurde in der weißen Zwiebelturmkirche der erste evangelische Gottesdienst gefeiert. Heute sind noch etwa 40 Prozent der Gläubigen in der Großgemeinde evangelisch. Im gotischen Chorraum der Marktkirche ruht auf einem Sarkophag die lebensgroße marmorweiße Figur des Grafen Joachim von Ortenburg, der für sich und seine Untertanen den evangelischen Glauben erstritt. Direkt vor der Marktkirche liegt neben der Dorflinde der erste graue Findling mit einem Lutherzitat, sechs weitere Gedanken aus der Lutherbibel begleiten uns Pilger auf Tafeln an den Steinen bis zur Kapelle St. Koloman. "Jeder wählt sich hier für den heutigen Weg einen Leitsatz", regt Pilgerbegleiterin Helene an. Leere Bilderrahmen am Wegesrand, auf denen Bibelverse den Rahmen zieren, zeigen außerdem jedem je nach Standort einen anderen Ausschnitt der Welt. Bei dem Satz "Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir", fällt der Blick etwa auf den Turm der evangelischen St. Laurentiuskirche in Steinkirchen. Sie diente nach der Reformation als Begräbniskirche. Während ich weiter an duftendem Raps und wogenden Haferfeldern vorbeilaufe, kommen und ziehen die Gedanken. Mir schießen Fragen über mein Leben durch den Kopf. Was ist mir wichtig? Auf was kann ich verzichten? Wo möchte ich eine neue Richtung einschlagen? Über grüne Hügel führt der Weg an der Wallfahrtskapelle St. Koloman vorbei ins sogenannte Holzland nach Grongörgen. Vor der Kirche liegen in einem großen Natursteinbehälter verschieden große Kieselsteine. "Ruhen schauen loslassen aufatmen", dieses Motto hat Haarbach im Klosterwinkel, zu dem Grongörgen zählt, für sein Teilstück der Via Nova gewählt. Jeder sucht sich aus den Kieseln seinen Sorgenstein, den er auf den weiteren Weg mitnimmt. Zunächst liegt der Stein kalt in der Hand, doch im Laufe der Zeit wird er wärmer und schwerer, bis er irgendwann fast dazuzugehören scheint. Und plötzlich ist er verschwunden, unbemerkt aus der Hand gerutscht, und mit ihm symbolisch die daran geknüpften Sorgen. Schließlich klingt gegen Abend das Glockenspiel des ökumenischen Emmauszentrums in Bad Griesbach über die Felder. Während die Abendsonne die bunten Glasfenster im Kirchenzentrum leuchten lässt, mache ich zufrieden einen weiteren Stempel in meinen Pilgerpass und genieße die Simone Spohr Rast auf der Kirchenbank. Eine Pilgerreise ist auch eine Reise zu sich selbst. Die Stationen am Weg laden zu einem neuen Blick auf das eigene Leben ein Infos zur Via Nova: www.pilgerweg-vianova.eu Angebote für geführte Pilgerwanderungen findet man bei der Landvolkshochschule Niederalteich (Tel. 09901/93520, www.lvhs-niederalteich.de) oder bei Helene Uhrmann-Pauli (helene.uhrmann-pauli@bistum-passau.de; Tel.: 08542/91621) Etliche Gasthöfe und Hotels bieten Unterkünfte für Pilger. Broschüre zu beziehen über Landvolkshochschule Niederalteich (siehe oben). Sonderpreise für Pilger: zum Beispiel Kloster Neustift, Ortenburg, Abendessen/Übernachtung/ Frühstück im DZ: 20 Euro p. P., Tel.: 08542/96 00 0, www.benediktinerinnen-der-anbetung.de Emmaus Ökumenisches Zentrum Bad Griesbach: Kirchenzentrum der evangelischen und katholischem Kirche mit Gottesdienstraum. Kurverwaltung Bad Griesbach, Tel. 08532 / 79240, Mail: info@badgriesbach.de. Wohlfühltherme Bad Griesbach. www.wohlfuehltherme.de, Tel.: 08532/96150
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Diakonie magazin 2/2010 Spektrum Meinung Gretel Wildt, Leiterin Zentrum Familie, Integration, Bildung und Armut im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland. Gleiches Recht für alle! Hartz IV missachtet viele Rechte der Bedürftigen. Und die Betroffenen haben weniger Chancen, vor Gericht zu klagen. Die Diakonie fordert Korrekturen Das Grundgesetz spricht eine klare Sprache. "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", heißt es dort in Artikel 3. Das klingt gut und sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Einerseits macht das Sozialgesetzbuch II die Bedürftigen zu Menschen zweiter Klasse. Und andererseits wird es Hartz-IV-Empfängern immer schwerer gemacht, ihr Recht vor Gericht durchzusetzen. Auch in Deutschland bestimmt der Geldbeutel darüber, ob ein Mensch Gerechtigkeit erfährt. Sparen auf Kosten der Schwächsten Wir als Diakonie stehen den Schwachen in der Gesellschaft zur Seite und geben ihnen eine Stimme. Deshalb haben wir uns über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar gefreut. Es machte deutlich, dass bei den Hartz-IV-Gesetzen und deren Umsetzung vieles im Argen liegt. Offenbar hat der Gesetzgeber beim Festlegen der Regelleistung gepfuscht. Der Verdacht liegt nahe, dass man sparen wollte auf Kosten der Schwächsten. Dabei wurden die Grundrechte der Betroffenen verletzt: Die Verfassung garantiert ihnen ein Existenzminimum, das ein Leben in Würde ermöglicht. Allerdings sind, über die Kritikpunkte des obersten Gerichts hinaus, noch weitere Vorschriften des Sozialgesetzbuchs II äußerst fragwürdig. Die Diakonie hat in ihrem Positionspapier zahlreiche Aspekte aufgelistet, die dringend geändert werden müssen, weil sie die Rechte der Bedürftigen verletzen. Das Verhältnis zwischen den Empfängern von Arbeitslosengeld II und den zuständigen Behörden ist keine Beziehung auf Augenhöhe, die Betroffenen werden indirekt entmündigt. Sie sind gezwungen, jeder standardisierten Eingliederungsmaßnahme zuzustimmen, die ihnen verordnet wird egal, ob sie ihnen nützen kann oder nicht. Wir fordern für sie ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Maßnahme wie auch bei der Wahl von deren Anbieter. Für den Fall, dass man sich nicht einigen kann, muss es eine Vermittlungsstelle geben. Wer arbeiten will, wird zu wenig gefördert Die allermeisten Hartz-IV-Empfänger wünschen sich sehnlichst, wieder Arbeit zu finden, und möchten sich sinnvoll qualifizieren. Sie brauchen einen einklagbaren Rechtsanspruch auf entsprechende Maßnahmen. Statt dessen werden sie von den überlasteten Behörden oft nur verwaltet. Die Chancen, dass sie sich für den Arbeitsmarkt fit machen können, schrumpfen: Die Mittel für Eingliederungs- und Qualifikationsmaßnahmen wurden gekürzt. Es geht viel zu oft nur noch ums Fordern und das Fördern kommt zu kurz. Foto: privat
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Anzeigen Wenn sie sich gegen bestimmte Maßnahmen oder Auflagen zu sperren scheinen, drohen den Betroffenen heute drakonische Strafen. Das ist besonders bei Jugendlichen problematisch. Sie sind häufig nur überfordert beim korrekten Umgang mit den Behörden, und die zuständigen Mitarbeitenden haben meist nicht genug Erfahrung mit Heranwachsenden. Ohnehin ist das Kürzen der Unterstützung eine äußerst anfechtbare Sanktion: Die Regelleistung ist schließlich das Existenzminimum, das jedem laut Grundgesetz garantiert sein muss. Mehr am einzelnen Menschen orientieren Für Menschen unterwegs Pannenhilfe: europaweit Personenschutz: weltweit Beihilfen & Services: abrufbereit Mobilschutz Einzeltarif: 49,50 pro Jahr Mobilschutz Familientarif: 69,50 pro Jahr Mobilschutz Basis: 27,00 pro Jahr (Einzeltarif, ohne Personenschutz weltweit) Der Zuschnitt der finanziellen Unterstützung, die auf Bedarfsgemeinschaften basiert, ist grundsätzlich äußerst fragwürdig. So werden alleinerziehende Mütter in ihren Chancen eingeschränkt, wieder einen Lebenspartner zu finden: Sobald das Paar zusammenzieht, wird der Mann unterhaltspflichtig gegenüber dem nicht leiblichen Kind. Und junge Menschen haben kaum noch die Möglichkeit, einen eigenen Haushalt zu gründen. Sie müssen bei den Eltern wohnen bleiben, selbst wenn die Beziehung äußerst belastet ist womit sich deren Verantwortung weit über die Volljährigkeitsgrenze hinaus bis zum 25. Lebensjahr ihres Kindes verlängert. Hartz IV sollte sich künftig am einzelnen Menschen orientieren, nicht an der Bedarfsgemeinschaft. Die Vorschriften müssen in vielerlei Hinsicht korrigiert werden. Doch schon die bestehenden Ansprüche werden häufig nicht eingelöst. Die Sozialgerichte sind überrollt von Klagen wegen falscher Bescheide und Entscheidungen. Das liegt nicht an der Renitenz der Betroffenen, sondern an der mangelhaften Arbeit der Behörden: In rund der Hälfte aller Fälle bekommt der Kläger recht. Die Klage vor Gericht wird erschwert Auch für Menschen mit Behinderung: Wir unterstützen Mitglieder mit Handicap, deren Partner und Familienangehörige mit erweiterten Pannenhilfe- und Beratungsleistungen sowie weiteren Vergünstigungen. Online informieren und Mitglied werden: www.bavc-automobilclub.de Sozialwerk St. Georg e.V. Geschäftsbereich Westfalen-Süd veranstaltet eine Fachtagung zum Thema: "... denn wir wissen nicht, warum sie es tun" Komasaufen und Gewaltexzesse als Folge schwieriger Sozialisationsbedingungen? Niemand kann wünschen, dass die Klageflut weiter anschwillt. Doch anstatt für eine bessere Ausstattung der Argen und für mehr Kompetenz bei deren Mitarbeitern zu sorgen, hat man die Möglichkeiten der Bedürftigen eingeschränkt, sich gegen falsche Bescheide zu wehren. Ihre Eigenbeteiligung an den Prozesskosten wurde angehoben. Wenn sie jetzt gegen Bescheide klagen wollen, müssen sie sich das Geld dafür regelrecht vom Munde absparen. Und bei Berufungsverfahren wurde kurzerhand der Mindeststreitwert auf 750 Euro angehoben. Für die Betroffenen sind auch niedrigere Beträge sehr viel Geld. Doch für die Regierung ist der rechtliche Schutz von Bedürftigen offenbar ein untergeordnetes Gut. "Gleiches Recht für alle" ist ein wichtiges Fundament unserer Demokratie. Deshalb muss die Regierung dafür sorgen, dass auch Armen und Arbeitslosen ein Leben in Würde möglich ist, wie es das Grundgesetz garantiert. Und dass sie sich, falls ihnen Unrecht geschieht, dagegen wehren können notfalls auch vor Gericht. 30. September 2010, 09.00 - 16.30 Uhr in der Siegerlandhalle Die Tagung soll den Ursachen jugendlicher Gewalt gegen andere und gegen sich selbst auf den Grund gehen. Sie soll aber auch erste Antworten auf die Frage geben, wie zu Gewalt neigende Kinder und Jugendliche frühzeitig erkannt werden können und wie präventiv gearbeitet werden kann, damit es nicht zu Gewaltexzessen kommt. Referenten: Dr. Timo Vloet Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty Prof. Dr. Alexander Trost Organisationsbüro Sozialwerk St. Georg e.V. · Geschäftsbereich Westfalen Süd Breite Wiese 36 · 57392 Schmallenberg · Tel. 02972 - 9773-100 Fax 02972 - 9773-111 · www.sozialwerk-st-georg.de
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Diakonie magazin 2/2010 Reportage
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Spektrum Diakonie magazin 2/2010 "Ich mache mir meine Geschichte selbst" Christian Zimmermann hat Alzheimer und arrangiert sich mit seiner Krankheit Fotos: Michael McKee/Bernd Roselieb Seit drei Jahren ist er ein ständiger Gast, der Herr Alzheimer, wie Christian Zimmermann ihn nennt. Eines Tages kam er und blieb. Er wohnt mit ihm in der hellen Dachwohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen. Er begleitet ihn bei jedem Spaziergang, beim Einkaufen, beim Spiel mit der acht Monate alten Enkeltochter Lara. Herr Alzheimer tauchte zum ersten Mal in einer Arztpraxis auf. Eigentlich hatte Christian Zimmermann an eine Herzgeschichte gedacht, als er mit Schwindel zusammenbrach. Der Unternehmer aus München war Ende fünfzig, seine Firma, die Theaterspiegel produziert, machte guten Umsatz, er hatte alle Hände voll zu tun. Aber dann vergaß er hin und wieder etwas, verlor zuweilen die Orientierung und musste schließlich nach einer Reihe von Untersuchungen mit einer ganz anderen Diagnose fertig werden: beginnende Demenz. Das Bild seiner verwirrten Großmutter kam ihm in den Sinn, als Kind hatte er seinen Schabernack mit ihr getrieben, nun würde er möglicherweise selbst so werden: "Alzheimer, das san die Blöden!" Herr Alzheimer wird zum Partner Die Angst wird kleiner, wenn man ihr ein Gesicht gibt: Seine Schreckensvisionen bannt Christian Zimmermann im Atelier unter dem Dach auf Leinwände, mit dem Malen hat er in einer Therapiegruppe begonnen. Inzwischen werden seine Bilder ausgestellt. Christian Zimmermann ist ein schmaler, gut aussehender und gebildeter Mann, der locker und offen über seine Krankheit redet. Lesen und Schreiben geht inzwischen nicht mehr, die Buchstaben fallen ihm nicht mehr ein. Auch die Fremdsprachen sind vergessen. Dass es eines Tages ein Problem für ihn
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Diakonie magazin 2/2010 Spektrum sein könnte, die Schnürsenkel zu binden, und die Uhrzeit abzulesen, hätte er nie vermutet. Wenn Christian Zimmmermann einkaufen geht, steckt er sich verschiedenfarbige Erinnerungszettel in die Hosentasche: Grün für den Yogakurs, Rot fürs Theater. Beim Einkaufen weist er den Ladenbesitzer auf die Krankheit hin, der achtet genau aufs Wechselgeld, eine Erleichterung. Der Alltag ist nun schwieriger zu bewältigen, alles geht langsamer, aber Christian Zimmermann sieht Herrn Alzheimer nicht als Feind. Er wollte "ganz schnell von der Diagnose wegkommen, nicht an ihr kleben bleiben". Deswegen durfte der unerwünschte Begleiter nicht zu mächtig werden. Zimmermann machte ihn sich zum Partner in seinem zweiten Leben. Dass ein Patient in Interviews und auf Tagungen über seine Krankheit redet und sich dazu bekennt, hält Dagmar Jung für außergewöhnlich. Die Referentin für angewandte Gerontologie im Diakonischen Werk Hessen-Nassau stellt bei ihrer Arbeit viel häufiger fest, dass Menschen mit der Diagnose Alzheimer sich zurückziehen, manchmal sogar voller Scham versteckt werden: "Wir wissen eigentlich nicht, was wirklich in den Familien passiert." 1,2 Millionen Alzheimerkranke gibt es derzeit in der Bundesrepublik, die Zahl der Erkrankten nimmt nach ihrer Analyse zu, inzwischen ist Demenz der zweithäufigste Grund für den Übertritt in ein Pflegeheim. "Wenn immer mehr Menschen erkranken, wird Demenz in unserer Gesellschaft bald zum normalen Bild gehören", prophezeit Dagmar Jung, "und auch mit diesem Anderssein muss man sich auseinandersetzen." "Vielleicht", so ihre Hoffnung, werden sich eines Tages auch mehr Prominente zu dieser Krankheit bekennen. Dagmar Jung plädiert entschieden für eine "Entdramatisierung" der Alzheimerkrankheit. "Ausschließlich von Angst, Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten in diesem Zusammenhang zu reden, ist falsch. Demenzkranke können Freude am Leben haben, genauso wie wir." Die Bilder, die er malt, sind bedrängend Christian Zimmermann ist der beste Beweis dafür, vielleicht auch, weil er ein Mensch mit Humor ist, der nicht so schnell aufgibt. Nein, er will die Krankheit nicht kleinreden, erst neulich ist er "eingebrochen" bei einem anstrengenden Drehtag mit Fernsehjournalisten. Aber er will seine Sprache pflegen, sich herausfordern, man könne doch nicht einfach so herumsitzen, müsse sich was vornehmen. "Ich könnte mit der Krankheit ja 90 Jahre alt werden", sagt er. Aus der Firma hat der Unternehmer sich zurückgezogen, den Stab übergeben an seine Frau und seine Tochter. Freunde und Bekannte informierte er über seine Diagnose, "das entlastet ja auch, wenn die anderen es wissen." Dann begann er mit dem Malen, zuerst in einer Therapiegruppe, später daheim. Manche seiner Bilder sind bedrängend, saugen den Betrachter hinein in einen Strudel des Chaos, tragen Titel wie "Totentanz", "Weltuntergang" oder "Geist". Es sind Begriffe, die ihm Herr Alzheimer nachts ein- flüstert und die ihren Schrecken verlieren, wenn er sie laut ausspricht. Malen hilft, die Angst wird kleiner, wenn Christian Zimmermann ihr ein Gesicht gibt. Es kann blau sein oder schwarz, meist zeigt es sich in einem Durcheinander der Formen. Schwarze Wesen mit großen Augen huschen über die Leinwände, aber es gibt auch immer wieder Fröhliches in leuchtenden Farben. Drei seiner großformatigen Bilder hängen neben Werken des berühmten Malers Jörg Immendorff in der Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Demenz", er ist stolz darauf, als Sammler moderner Kunst kennt er sich in der Szene gut aus. Kreativität kann die andere Seite dieser furchteinflößenden Krankheit sein, und die Ausstellung, die an verschiedenen Orten in Deutschland zu sehen ist, will den Blick dafür schärfen. "Durch Demenz werden die rationalen Kontrollfunktionen
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Spektrum Diakonie magazin 2/2010 beeinträchtigt, die Patienten werden weicher, empfindsamer. Wahrnehmung und Erleben ändern sich und fördern vorher nicht erkennbare kreative Kompetenzen zutage", sagt die Psychologin Dagmar Jung. Viele Demenzkranke suchen sich andere Ebenen der Kommunikation als die Sprache. DiaDem, die Demenzstiftung des Diakonischen Werkes Hessen-Nassau, will deshalb weitere Kunstprojekte, zum Beispiel im Odenwald, fördern, bei denen Kinder und Alzheimerpatienten gemeinsam malen oder Skulpturen erschaffen. Die Stiftung hat viele Zukunftsthemen auf dem Programm: Urlaub für Paare mit Demenz, Zusammenarbeit mit Sportvereinen, soziale Netzwerke, Mehrgenerationenprojekte. Dagmar Jung hält es für zunehmend wichtig, dass nicht nur die Angehörigen von Demenzpatienten gehört werden, sondern die Betroffenen selbst zu Wort kommen. "Es gibt ein Leben nach der Therapie": Christian Zimmer mann hat sich schon vor seiner Erkrankung für Kunst interes siert und Bilder gesammelt. Jetzt hängen die eigenen Werke an den Wänden daheim oder neben den Bildern berühmter Maler in der Wanderausstellung. Herr Zimmermann hat vor nichts mehr Angst Ausstellungstermine Die Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Demenz" ist ein Projekt der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau und ihres Stiftungsfonds DiaDem. Zahlreiche zeitgenössische Künst lerinnen und Künstler, darunter Prominente wie Felix Droese, Candida Höfer, Jörg Immendorff und Günther Uecker, greifen das Thema in ihren Gemälden, Fotografien, Skulpturen und Installationen auf. Die Ausstellung umfasst über 100 Kunst werke von 30 Kunstschaffenden. Die nächsten Stationen: 5. 30. Mai 2010, Thomäkirche Soest, Klosterstraße 8 1. 20. Juni 2010, Johanneskapelle, DietzhölztalEwersbach 1. 29. September 2010, Bad Kreuznach, Bad Kreuznacher Diakonie 2. 29. Oktober 2010, Elfenbeinmuseum, Erbach/Odenwald 31. Oktober 12. Dezember 2010, Katharinenkirche Oppenheim Informationen unter www.kunst-trotzt-demenz.de "Es gibt ein Leben nach der Therapie", hat Christian Zimmermann festgestellt und diesem Leben sogar neue, interessante Seiten abgewonnen. Herr Alzheimer hat ihm die Erkenntnis beschert, dass er "vor nichts mehr Angst haben muss", denn das Schlimmste hatte er ja durch die Diagnose bereits hinter sich. Das gibt Mut und Raum für neue Erfahrungen. Einen Segelflug zum Beispiel, den hätte er in seinem früheren Leben nicht gewagt. Vor der Erkrankung war Christian Zimmermann ein eher scheuer Mensch, nun traut er sich, vor großem Publikum zu reden oder beim Theaterspiel zu improvisieren: "Was soll schon passieren?" Im alten Leben stand er oft unter Druck, jetzt braucht es unendlich viel Zeit, an der Supermarktkasse "die blöden Plastiktüten auseinanderzubringen", also packt er in aller Ruhe und trotzt dem Drängeln der anderen Einkäufer. Er achtet auf jedes Lächeln und erwidert es. Er geht achtsam mit den besonderen Momenten des Alltags um, und manchmal beschert er anderen eine kleine Portion Glück zum Beispiel wenn er mal wieder sein Kleingeld auf das Pflaster streut. "Die Cents sind immer alle weg, wenn ich am nächsten Tag nachschaue." Und weil ohnehin alles ein wenig ver-rückt ist, erlaubt er es sich, seinen Bildern daheim oder in der Ausstellung einen kleinen Schubs zu geben, damit sie schräg hängen. Lange bleibt das nicht so, "irgendjemand hängt sie immer wieder gerade." Zurechtrücken will Christian Zimmermann auch das Bild, das Pfleger und Pflegerinnen von Alzheimerpatienten haben, deswegen redet er auf Fortbildungen über seine Krankheit. Er ermuntert die Betreuer, ihre Patienten zu fragen, sie nicht wie Kinder zu behandeln, ihre Arbeit so gut wie möglich zu tun, damit sie stolz darauf sein könnten: "Dann ist meist Totenstille im Raum." Welche Begegnungen wird die unfreiwillige Partnerschaft mit Herrn Alzheimer noch bringen? Christian Zimmermann will es nicht wissen. Er lehnt es ab, Bücher über die Krankheit zu lesen: "Jeder Fall ist anders. Und ich mache mir meine Geschichte selbst." Kerstin Klamroth
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Lebensfragen Die Diakonie berät Menschen in allen Lebenslagen, Menschen mit kleinen und großen Sorgen. In Kooperation mit der Telefonseelsorge behandeln wir in jeder Ausgabe Fragen, die oft gestellt werden. Der Autor leitet die Telefonseelsorge in Stuttgart.
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Lebenskunst Diakonie magazin 2/2010 Wenn ich die schon sehe! Die ist so anstrengend, die riecht so komisch, mit der will ich nichts zu tun haben! Manche Menschen finden wir einfach nur blöd. Bis uns plötzlich klar wird, was sie in uns auslösen . . . Illustration: Susanne Straßer Fotos: XXXXXXXX Kennen Sie Frau Schrull? Also die Dame ist frei erfunden. Aber so jemanden wie Frau Schrull kennen Sie sicher auch. Das ist die Nachbarin, um die Sie einen Bogen machen, weil Sie auf jeden Fall eine Begegnung verhindern wollen. Die so unangenehm riecht. Frau Schrull ist auch die Kollegin, die es schafft, aus dem kleinsten Verwaltungsvorgang ein Tagewerk und aus ihren Schreibtischschubladen das Warenlager einer Apotheke zu machen. Und Frau Schrull hat übrigens immer recht. Immer. Jeder stöhnt, wenn er an sie denkt. Sie ist schon länger da als die anderen. Aber keiner kennt sie wirklich. Ach doch Frau Maier kannte sie ganz gut. Aber die ist jetzt in Rente. Es gibt auch eine männliche Variante: Wenn man Herrn Schrull schon sieht mit seinem bissigen Gesicht und seine ewige Litanei hört, nach der Melodie: Alle anderen sind schuld! Sein Bruder, ein anderer Schrull, löst mit seiner Leidensmiene entweder Mutter-Teresa-Gefühle aus oder bringt einen vor Wut fast zum Platzen. Die Schrulls das ist eine anstrengende Sorte Mensch. Sie sind eine Herausforderung für ihre Umwelt. Kaum einer mag mit ihnen zu tun haben. Bei ihnen wird unsere Geduld bis aufs Äußerste angespannt. Sie sind dankbare Objekte zum Ausleben von Missempfindungen. Schrulls gibt es unter den Kollegen, als Vorgesetzte, Mitarbeiter und natürlich in der Familie und im Bekanntenkreis. Geben wir es zu: Wir alle haben unsere Schrulls, die wir meiden oder erleiden. Wir haben unser Urteil über sie gefällt. Wir finden unablässig neue Beweise für die Unmöglichkeit dieser Menschen. Wir finden immer neue Gründe, uns zu amüsieren, zu ärgern, zu ekeln über Schrulls. Sich den Schrulls anzunähern, erscheint uns zwecklos. Vor allem: unnötig. Bis man mal einen Schrull braucht. Ich meine, wirklich braucht. Oder kennenlernt. Ich kannte mal eine Frau Schrull inzwischen heißt sie ganz anders , die war eine unglaublich tierliebe Frau, bei der die Hunde und Katzen aller Kollegen in Verzückung gerieten, wenn sie während der Ferien ihrer Besitzer von ihr versorgt werden durften. Ich weiß auch nicht, wie das entstand aber seit einiger Zeit hören auch die Kollegen ihr gerne zu. Mit einer anderen Frau Schrull bin ich mal spazieren gegangen. Sie ist eine zurückgezogene, eigentlich hübsche Frau. Aber sie tat alles, um nur ja nicht gesehen zu werden und hatte außerdem das Gesicht voller eitriger Pickel. Beim Betriebsausflug ergab es sich, dass wir ein langes Stück miteinander gingen. Da erzählte sie. Von einer Kindheit, die zu überleben für sie ein Kunststück war. Wie sie sich durch die Schule kämpfte. Still und unbeachtet, aber immer mit guten Noten. Und dass ihr das zurückgezogene Leben heute wie ein Paradies vorkommt gegenüber dem, was da an Erinnerungen noch in ihr brodelt. Sie heißt jetzt auch nicht mehr Frau Schrull. Warum werden manche Mitmenschen zu Schrulls? Einige scheinen sich geradezu für diese Rolle anzubieten. Viele Schrulls, die ich kenne, brechen Tabus. Vielleicht nicht immer bewusst. Sie jammern, sind scheu oder linkisch, sprachlich ungeschickt. Oder sie sind immer grantig, und sie pflegen sich nicht richtig. Oft sind sie in irgendeiner Weise Unterlegene selbst wenn es sich um Vorgesetzte handelt. Sie sind auf eine schräge Art dennoch willkommen, weil man so schön über sie lästern und sich halb unbewusst besser fühlen kann als sie. Oder erleichtert: Gott sei Dank bin ich nicht wie du. Ich gehöre dazu. Du nicht. Mich hat mal eine Freundin gefragt, wie man es schafft, den Schrulls freundlichere Namen zu geben. Vielleicht so: Indem ich ihnen offen begegne. Indem ich mir klarmache, was sie in mir auslösen und erkenne, dass natürlich auch ich ein Schrull bin. Krischan Johannsen Ihre Fragen an uns Wenn Sie eine Frage haben, die wir an dieser Stelle erörtern können, schreiben Sie uns. Ihre Frage wird vertraulich behandelt. Zuschriften an: redaktion@diakonie.de Oder per Post an: Redaktion Diakonie magazin, Stafflenbergstraße 76, 70184 Stuttgart
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Eine Welt Wir sägen am eigenen Ast Jeder gefällte Regenwaldbaum hinterlässt eine offene Wunde in einzigartiger Natur. Dabei sind heimische Hölzer immer eine robuste Alternative "Elegante Sitzgruppe aus Edelhölzern" oder "Witterungsbeständiger Hartholztisch": Wer zu Beginn der Gartensaison in den Prospekten der Möbelhäuser blättert, merkt erst auf den zweiten Blick, dass hier importierte Tropenhölzer angepriesen werden. Noch weniger vermuten wir diese in Zahnstochern oder Taschenbüchern. Doch selbst zu Sperrholz wird der Regenwald verarbeitet. Denn seine Bäume sind oft billiger als Fichte, Kiefer oder Tanne aus heimischer Produktion. Dabei muss das Tropenholz Zehntausende Kilometer weit reisen. Warum ist es dann trotzdem billiger? Zum einen, weil die Bäume im Regenwald nicht erst angepflanzt, gepflegt und gefällt werden müssen. Zum anderen, weil schätzungsweise ein Fünftel der EU-Holzimporte aus illegalem Einschlag stammt, also die ohnehin vielfach unzureichenden Gesetze der Herkunftsländer noch umgangen wurden. Jede Minute geht so Regenwald in der Größe von 30 Fußballfeldern verloren. Im klassischen Regenwald finden sich auf einem Hektar manchmal über 500 verschiedene Baumarten, in großen Abständen verteilt dazwischen die im Möbelbau so beliebten Urwaldriesen. Um an einen dieser Edelholzriesen heranzukommen, zerstören die Holzfäller mit ihren Sattelschleppern daher bis zu 20 weitere größere Bäume sowie die gesamte
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Spektrum Diakonie magazin 2/2010 Hier geraten Sie nicht auf den Holzweg Eine Liste heimischer Alternativen zu aus den Tropen ein geführten Edelhölzern hat die Tropenwaldstiftung OroVerde zusammengestellt: www.oroverde.de/regenwaldwissen/ tropenholz/holzaustauschliste.html Briefaktionen gegen den Raubbau führt der Verein Rettet den Regenwald durch: www.regenwald.org Das FSCSiegel (Forest Stewardship Council) ist das größte Nachhaltigkeitssiegel für Holz: www.fscdeutschland.de Mit Armutsbekämpfung leistet "Brot für die Welt" einen Beitrag zum Waldschutz: www.brotfuerdiewelt.de Die Abholzung von ausgewähl ten Bäumen (linke Seite, großes Bild) soll dazu beitragen, die Wälder zu schonen, Umwelt gruppen plädieren dennoch für ein generelles Einfuhrverbot von Tropenhölzern. www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/smecao (Tansania u. a., Lehmöfen) www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/cedicam (Mexiko, Aufforstung abgeholzter Regionen) www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/ceden (Kongo, nachhaltiger Umgang mit Tropenwald) Fotos: Florian Kopp,Thomas Lohnes/Brot für die Welt; focus mankind/sodapix Vegetation im Umfeld. Stündlich werden so drei Pflanzenoder Tierarten ausgerottet, deren genetisches Kapital für das Überleben auf unserem Planeten nicht mehr zur Verfügung steht. Die vielen Löcher im Blätterdach liefern die empfindliche Vegetation des Regenwalds der heißen Tropensonne aus und machen sie anfällig für Waldbrände. Entlang der von Holzfällern geschlagenen Schneisen dringen zudem Wilderer und Siedler in den Wald vor, roden die letzten Bäume und Büsche oder brennen sie ab und legen auf dem ehemaligen Waldland Plantagen an. Dabei werden pro Hektar 450 Tonnen Kohlenstoff freigesetzt, die das Weltklima weiter anheizen. Die großflächige Abholzung von Regenwäldern ist für ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig versiegt mit dem Schwinden der Regenwälder eine wichtige Sauerstoffquelle: Der grünen Lunge unserer Erde wird die Luft genommen. Lehmöfen für den Waldschutz In den Waldgebieten leben weltweit 1,5 Milliarden Menschen. Die meisten gehören traditionellen Völkern an und sind auf den Wald angewiesen. Über Jahrhunderte haben sie beim Jagen und Sammeln sowie mit einfachem Ackerbau kaum in den Waldkreislauf eingegriffen. Armut, Bevölkerungswachstum und der Einfall der Holzindustrie in ihre schrumpfenden Lebensräume haben jedoch dazu geführt, dass auch traditionelle Waldbewohner mehr Holz verbrauchen, als in einem natürlichen Kreislauf nachwachsen kann. Durch Brandrodungsfeldbau mit verkürzten Brachezeiten und die Suche nach Brennholz tragen auch sie zur Abholzung bei. Mit Aufklärungskampagnen und technischen Verbesserungen müssen die Menschen neu lernen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten und gleichzeitig den Wald erhalten können. In dem noch intakten Regenwald der Pare-Berge im Nordosten Tansanias zum Beispiel kochen die Frauen den Maisbrei für ihre Familien auf offenen Feuerstellen. Eine Partnerorganisation von "Brot für die Welt" zeigt ihnen, wie sie durch den Bau von Lehmöfen Brennholz sparen können. Mit mehr als 50 Siegeln versucht die Holzindustrie, die Verbraucher zu überzeugen, dass ihre Produkte aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Am weitesten verbreitet ist das FSCSiegel, das mit 70 Millionen Hektar Wald und 50 Millionen Hektar Industrieplantagen drei Prozent der globalen Waldfläche abdeckt. Davon liegen allerdings nur 13 Prozent in den Tropen, gibt es doch bisher kein anerkanntes Konzept, wie ein schonender Holzeinschlag in ursprünglichen Regenwäldern aussehen könnte. Und Holzplantagen sind in der Regel Monokulturen, die viel Wasser verbrauchen und den Tieren des Regenwalds keinen Lebensraum bieten. Da es für die Verbraucher nicht nachzuvollziehen ist, unter welchen Bedingungen Tropenholz geschlagen und exportiert wurde, fordern einige Umweltorganisationen einen kompletten Stopp der Einfuhren in die EU. In den USA steht zumindest der Import von und Handel mit illegal gefälltem Holz unter Strafe. Für Liebhaber von Holzmöbeln würde ein Einfuhrverbot von Tropenhölzern keinen Verzicht bedeuten, gibt es doch genügend heimische Alternativen. Besonders das Holz der Robinie zeichnet sich durch hohe Dichte, Dauerhaftigkeit sowie Widerstandskraft gegen Insekten und Pilze aus. Es bietet sich nicht nur für Gartenmöbel an, sondern hält sogar als Bootssteg oder Uferbefestigung dem Wasser stand. Franziska Krisch
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Diakonie magazin 2/2010 Spektrum Meine Geschichte Runter vom Sofa! Als Mitarbeiterin der Inneren Mission fand Ferol Odehe, 33, wieder Mut und Selbstvertrauen Nach der Flucht aus Westafrika nach Deutschland und dann in Bremen war ich voller Angst und Unsicherheit. Nicht zu wissen, wo ich bleiben kann, unter fremden Menschen in einer fremden Kultur es ging mir gar nicht gut. Dann brauchte ich etwas zum Anziehen, und eine Beraterin der Inneren Mission zeigte mir den "Anziehungspunkt". Ich kam als Kundin und blieb als freiwillig engagierte Mitarbeiterin. Ich bin die erste Afrikanerin unter den Ehrenamtlichen im "Anziehungspunkt". Am Anfang war ich fast täglich dort, "Wir können Türen öffnen und Vertrauen schaffen zwischen den Kulturen" um zu helfen. Die Innere Mission besorgte mir auch eine Wohnung, so dass ich die schreckliche Sammelunterkunft verlassen konnte. Im "Anziehungspunkt" sammeln wir gute gebrauchte Kleidung für alle Altersgruppen vom Säugling bis zu den Älteren. Wir bieten auch Wäsche und Spielzeug an. Ganz neu ist ein Bücherregal, aus dem man sich Bücher mitnehmen kann. Alles wird umsonst abgegeben für Menschen, die nur wenig Geld zum Leben haben. Wir zeigen gern, was wir zu bieten haben. Ein besonderes Erlebnis war unsere Modenschau auf dem Kirchentag in Bremen 2009. Auf der großen RadioBremen-Bühne am Marktplatz haben wir die schönsten Kleidungsstücke aus dem "Anziehungspunkt" präsentiert, vor Hunderten von Menschen. Der Beifall des Publikums tat uns allen gut und machte mich stolz. Hin und wieder kommen wir bei unserer Arbeit auch in unangenehme Situationen. Neulich war ein junger Mann da, der einen unverschämten Ton hatte. Ich sprach ihn an und sagte ihm, dass ich gelernt hätte, dass Menschen sich gegenseitig mit Wertschätzung begegnen sollen. Der Mann wurde nachdenklich und entschuldigte sich. Hinterher fragte ich mich, woher ich den Mut zu diesem selbstbewussten Auftreten hatte ich, die so lange mutlos gewesen war! Es ging mir immer besser ich war wieder ein Mensch. In diesem Haus gibt es ja auch nicht nur den "Anziehungspunkt": Die Innere Mission hilft bei vielen Nöten, in die Menschen geraten können. Petra Wulf-Lengner, die Abteilungsleiterin, und die Kolleginnen und Kollegen haben mich immer wieder aufgefangen, wenn es mir schlechtging. Gott hat mir durch sie Kraft und Mut gegeben. Diese Erfahrung möchte ich anderen vermitteln. Ein wenig habe ich schon bewirken können: Seit ich hier arbeite, trauen sich immer mehr Afrikanerinnen zu uns und versorgen sich mit Kleidung. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass es bei der Inneren Mission Rat und Hilfe gibt. Ihnen möchte ich Mut machen. Da bin ich hartnäckig! Wir dürfen uns nicht abschotten. Deutschland bietet viele Chancen. Wir können Türen öffnen und Vertrauen schaffen zwischen den Kulturen. Deshalb heißt mein Wahlspruch: "Runter vom Sofa!" Protokoll: Hanni Steiner "Anziehungspunkt" Der Verein für Innere Mission Bremen ist Mitglied im Diakonischen Werk. Der "Anziehungspunkt" nimmt gebrauchte Kleidung an und gibt sie an Bedürftige weiter. Im Gespräch erfahren die Mitarbeitenden von besonderen Notlagen der Kundinnen und Kunden. Oft können sie dann weiterhelfen und eine kompetente Beratungsstelle empfehlen. www.inneremission-bremen.de Fotos: Hanni Steiner
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Impressum Herausgeber: Diakonisches Werk der EKD, Stafflenbergstraße 76, 70184 Stuttgart, Telefon (0711) 2 15 90 Redaktion: Andreas Wagner (Chefredaktion), Ulrike Baumgärtner, Justine Schuchardt, Barbara-Maria Vahl, Telefon (0711) 2 15 94 55, redaktion@diakonie.de Mitarbeit bei dieser Ausgabe: Dr. Norbert Bolin, Ina Hochreuther, Anke Marholdt, Ulrike Meyer-Timpe Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Emil-von-Behring-Str. 3, 60439 Frankfurt, Geschäftsführer: Jörg Bollmann, Arnd Brummer, Verlagsleitung: Frank Hinte, Layout: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Aboservice: bruderhausDIAKONIE, Gustav-Werner-Straße 24, 72762 Reutlingen, Telefon (07121) 27 88 60, E-Mail: alena.roesch@bruderhausdiakonie.de Anzeigen: m-public Medien Services GmbH, Georgenkirchstr. 69/70, 10249 Berlin, Telefon (030) 28 87 48 35, E-Mail: zurgeissel@m-public.de. Zzt. gilt Anzeigenpreisliste 4/2010. Mediaberatung: Susanne Zurgeissel Druck: Bechtle Druck & Service GmbH & CoKG, Esslingen Bezugs- und Lieferbedingungen: Das Diakonie Magazin erscheint viermal jährlich. Der Bezug der Zeitschrift Diakonie Magazin ist im Mitgliedsbeitrag des Diakonischen Werkes der EKD e.V. enthalten. Dem Diakonie Magazin sind vier Regionalteile beigeheftet (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Hessen-Nassau), Verlag und Druck wie Bundesausgabe.
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Du sollst dich nicht selbst loben . . . . . . darum lassen wir lieber andere sprechen: 0180 2 153456* - www.bruderhilfe.de *Festnetzpreis 6 Cent je Anruf, Mobilfunkpreis 42 Cent je Minute (60-Sekunden-Takt).