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1/2010 Test Alle Barrieren weg? Eine Rollstuhlsportlerin im Hotel Seite 16 Eine Welt Fisch ist gesund ­ aber wir fischen die Meere leer Lebensfragen Einsamkeit muss man beachten. Auch bei sich selbst Seite 30 Wer lernt, kommt weiter Bildung ist das beste Mittel gegen Armut. Eine Kita in Worms zeigt, wie das spielend funktioniert Seite 32

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...der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ... JEDEN MONAT NEU: Aktuelles Festivals Filmpolitik Portr? Interviews Themen Filmkritiken DVDs B?r Fernsehtipps . . . k?e Ihr epd-Film-Abo sein. Lesen Sie unbestechliche Kritiken und informative Geschichten. Lernen Sie die sch?en Seiten des Kinos kennen. TESTEN, SPAREN UND GRATIS-GESCHENKE SICHERN! Bestellen Sie Ihr Probe-Abo per Telefon 069 / 5 80 98 -191 oder im Internet www.epd-film.de/abo Sie erhalten 3 Ausgaben zum Vorteilspreis f?ur 9,90 Euro direkt ins Haus geliefert und k?n epd Film in Ruhe Probe lesen. Sie sparen ? 40% anstelle von 17,70 Euro im Einzelverkauf. Gratis Ja, ich m?e 3 Ausgaben epd Film f?,90 mit den Zugaben bestellen. Vorname Name Stra? | Hausnummer Telefon ft "Was nderhe s c he n Da s S o ut ­ im de tut sich + ein XSB Film? " ick mit USB -St GB 2 G e sc h enke PLZ | Ort Datum | Unterschrift AZMP10 Ich bin damit einverstanden, dass Sie mich nach Ablauf des Testangebots telefonisch nach meiner Meinung zu epd Film befragen. Bitte fotokopieren oder ausschneiden und einsenden an: epd Film, Postfach 50 05 50, 60394 Frankfurt; Fax: 069 - 580 98 226

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Diakonie magazin 1/2010 Inhalt Panorama Titelthema Eine Chance f?inder Lesen, toben, spielend lernen in der Tagesst?e Interview Ulrike Meyer-Timpe: Warum arme Kinder Bildung brauchen Titelthema 8 15 8 16 22 26 Wie schreibt man das? Bildung beginnt in der Kita 16 24 26 2 4 Spektrum Diakonie Diakonie im Test Eine Rollstuhlsportlerin im barrierefreien Hotel Meinung Kerstin Griese: Die Regels?e f?inder erh?! Reportage Ein Schwerstbehinderter als Familienmitglied Eine Welt Fische sind gesund ­ aber die Meere ?fischt Meine Geschichte Unsere Geschichten aus dem Kindergarten Diakonie im Test Wie komm ich hier rum? Eine Sportlerin im barrierefreien Hotel Reise 18 19 20 22 Lebenskunst Vermischtes Aus den Werkst?en der Diakonie Z?ige Vesperbretter, edle Tabletts Kultur Reise Banken und Rotlicht im Frankfurter Bahnhofsviertel Lebensfragen Einsamkeit ist ein schlimmes Gef?Nach Frankfurt am Main? Die Stadt ist bunter und lebendiger als ihr Ruf Reportage Impressum Familienleben mit Jens? Doch, das geht, sagt Theo

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Diakonie ist die soziale Arbeit der evangelischen Kirchen. Sie hilft Menschen in Not und in sozial ungerechten Verh?nissen. Fotos: Stefan Trappe Einen Moment lang versinkt Karl R? (Name ge?ert) ganz in sich, bevor er zum Pinsel greift. Aber dann bewegt sich etwas in ihm, etwas l?sich, wenn er seine Trauer aufs Papier bringt oder seine Ehe als einen Baum mit zwei Kronen malt. R? ist depressiv und, wie Richard Tietz, dement. Die K?lerin Concha Argueso hilft ihnen, ihre Gef? zu gestalten.

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Die beiden Herren treffen sich w?ntlich in der "Haltestelle Diakonie" in Reinickendorf. Dort werden, wie an 32 anderen Standorten in Berlin und Brandenburg, demenzkranke Menschen gef?rt und ihre Angeh?en entlastet. 30 Hauptamtliche k?rn sich um die alten Menschen, und 450 Freiwillige arbeiten mit. www.haltestelle-diakonie.de

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Diakonie magazin 1/2010 Panorama Duft mit Zacken: die neuen Wohlfahrtsmarken Eine Mitmachaktion von Diakonie und Caritas zum ?umenischen Kirchentag 2010 in M?en Sieht nach Apfel aus ­ Schreiben Sie uns und riecht auch so einen Satz Hoffnung! Die neuen Wohlfahrtsmarken 2010 sehen nicht nur sch?us, sie duften auch noch ­ nach Apfel, Erdbeere, Zitrone und Heidelbeere. Ein ganz neues und erstmalig ange wandtes Produktionsverfahren macht dies m?ch. Die Marken entfalten ­ neben der optischen Eleganz ­ das ganze Aroma der jeweiligen Frucht, und der Duft verbraucht sich auch nicht so schnell. Erh?lich sind die Briefmarken bei der Post und in den Ein richtungen der Wohlfahrtsverb?e. Der Erl?ommt, neben den anderen Wohlfahrtsverb?en, auch der Diakonie zugute. Info und Bestellungen: www.wohlfahrtsmarken.de oder per Telefon: 0221/9410040 "Ein Satz Hoffnung" ist das Motto des 2. ?umenischen Kirchentags vom 12. bis 16. Mai in M?en. Diakonie und Caritas starten eine Mitmachaktion im Vorfeld des ?T. Warum haben wir Hoffnung? Was braucht es f?ine gerechte Gesellschaft? Was ist mein Einsatz f?ine soziale Gesellschaft? Mit "Ein Satz Hoffnung" kann jede und jeder pers?che Hoff nungss?e formulieren und einsenden. Sie werden im Inter net und dann auch auf dem Kirchentag ver?ntlicht (mit Ein verst?niserkl?ng). Diakonie und Caritas m?en mit dieser Aktion die sozialpolitische Dimension des ?ume nischen Kirchentags st?en. Mitmachen unter: www.EinSatzHoffnung.de Zahl des Monats Pflege: Was gibt's wo? Wer f?ich selbst oder einen Angeh?en nach der richtigen Pflegeeinrichtung sucht, steht vor vielen Fra gen. Ambulant oder station? Wo gibt es passende ambulante oder station? Einrichtungen? Was kostet das? Woran erkennt man die Qualit? Der Verband der Ersatzkassen hat im Internet einen "Pflege lotsen" eingerichtet, der bei der Suche im gesamten Bundesge biet hilft. Sie finden Information ? Gr? Kosten, Ausstat tung, besondere Versorgungsformen und Lage sowie die Anschriften der Einrichtungen. Auch ein Vergleich ausge suchter Einrichtungen ist m?ch. www.pflegelotse.de 346.000 Frauen arbeiten bundesweit in Einrichtungen der Diakonie. Quelle: Statistische Erhebung zum 01.01.2008 ? Mitarbeitende der Diakonie. Erscheint in 2010 als Diakonie Texte, Statistische Informationen. © Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V., Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart. Kontakt: Dr. Wolfgang Schmitt, Arbeitsfeld Statistik im Zentrum Kommunikation, statistik@diakonie.de, www.diakonie.de

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Panorama Diakonie magazin 1/2010 Der Burgherr von Reichenberg Burgherren sind selten geworden, aber in der Diakonie gibt es sie noch. Wolfgang Schneider (42) k?rt sich seit 20 Jahren um die Burg Reichenberg. Er ist Hausmeister. Und G?ner. Und Haustechniker. Und Burgf?r. Und gedul diger Gespr?spartner f?ie 24 psychisch kranken Men schen, die auf der Burg wohnen. "Man muss akzeptieren, dass psychisch kranke Menschen anders denken", so Wolfgang Schneider. Burg Reichenberg liegt bei Oppenweiler, etwa 40 Kilometer nord?ich von Stuttgart. Schon seit 120 Jahren wird die Fes tung aus dem 13. Jahrhundert von der Diakonie genutzt. Zuvor ging es auf der Burg weit weniger liebevoll zu: Als die Festung noch Sitz der Forstverwaltung war, diente sie auch als Gef? nis f?ilderer. Das Verlie?der Burg besteht aus einem fens terlosen Raum, der nur von oben mittels einer Seilwinde zu g?lich ist. Mit Schaudern erleben die Teilnehmer der Gesichter der Diakonie Burgf?ngen, wie fr? mit Gesetzesbrechern umge gangen wurde. Bis 1928 geh? die Burganlage zur Samariter stiftung, die dann nach Gra feneck umzog. Danach rich tete die Evangelische Gesell schaft Stuttgart in der Burg ein Heim ein, anfangs spezi Wolfgang Schneider ist seit 20 ell "f?ittlich gef?dete Jahren der gute Geist der Burg und gefallene M?hen". Seit 2007 wird die Anlage von der Paulinenpflege Winnenden verwaltet. Beim Wechsel des Tr?ers wurde gro?n Wert darauf gelegt, dass den bisherigen "Burgfr?eins" und "Rittern der Tafelrunde" ihre langj?ige Heimat erhalten blieb. Als Zivildienstleistender kam Schneider im Jahr 1989 auf die Burg. Zuvor hatte er eine Lehre als Mechaniker absolviert. Nach Ende seines 15monatigen Zivildienstes wurde er als Hausmeis ter angestellt. 1992 bis 1995 absolvierte er eine Zusatzausbil dung zum Arbeitserzieher. Wolfgang Schneider ist verheiratet und hat zwei T?er im Alter von elf und 14 Jahren. Seine Frau hat er auf der Burg kennengelernt, sie war K?n. In den 23J?rigen hatte sich aber damals auch eine ?ere Bewohnerin ver liebt. Die reagierte h?t aggressiv auf seine Freundin und sp?ere Frau. R?lickend und weise sagt Schneider dazu: "Distanz ist wichtig im Umgang mit psychisch kranken Menschen." Die Bewohner und Mitarbeiter der Burg Reichenberg laden mehrmals im Jahr zu "Burgcaf? ein. Weitere Informationen: www.burg-reichenberg.de Mayrs Spitze Schmeckt's? Gekocht wird ?all, und schmecken soll es auch ­ in Altenheimen, Krankenh?ern und Einrichtungen f?ehinderte Menschen. Die Mahlzeiten strukturieren oft den Alltag, das Essen ist wichtig ­ auch bei Festen und Ausfl? und beim gemeinsamen Kochen mit den Bewohnern. Doch stimmt auch die Qualit?der Lebensmittel? Und die Hygiene? Eine Leitlinie, vom Diakonischen Werk der EKD und dem Deutschen Caritasverband gemeinsam erarbeitet und heraus gegeben, sorgt f?ine einheitliche Grundlage f?lle Gro?k?n und Kantinen in sozialen Einrichtungen. Deutscher Caritasverband e. V., diakonisches Werk der EKD e. V. (Hg.): Wenn in sozialen Einrichtungen gekocht wird. Die Leitlinie f?ine gute Lebensmittelhygienepraxis in sozialen Einrichtungen, 19,90 . Die Leitlinie ist im Lambertus-Verlag erschienen und kann ? den Buchhandel, direkt beim Lambertus-Verlag unter www. lambertus.de oder per Telefon 0761 / 368250 bestellt werden. 94x20diamag.qxp 11.01.2010 13:27 Uhr Seite 1 Anzeige CHRISTLICHE Akademiker und Unternehmer/-innen HARMONIA First-Class-Partnervermittlung · seit 1985 Fair Play ­ Pro Honore® G?iegel 0 21 02 / 52 84 52 · Infoband 0 21 02 / 52 84 14 www. harmonia-institut.de

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Diakonie magazin 1/2010 Titelthema Titelthema

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Titelthema Diakonie magazin 1/2010 Eine Krone f?as Geburtstagskind Aber eigentlich ist in der Spiel- und Lernstube der Diakonie in Worms jeder jeden Tag ein K? ­ Kinder mit allen m?chen Migrationshintergr?n und aus Familien mit wenig Geld Fotos: Andreas Unger

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Diakonie magazin 1/2010 Titelthema Von der Boosstra? aus kann man den Wormser Dom nicht sehen, nicht das Hagen-Denkmal und auch nicht den Rhein. Sie endet an einer Ausfallstra?, hier gibt es viele eng geschnittene Reihenh?er aus den 80ern, wenige Menschen auf der Stra?, eine Kunststofffabrik und ein Autohaus, das sich auf Gebrauchtwagen spezialisiert hatte, bevor es pleite ging. Und es gibt die Spiel- und Lernstube der Diakonie (SLS). ??rlich f?sie sich nahtlos in die prosaische Umgebung, die jetzt, im Winter, noch ein wenig kahler wirkt. Wer aber ? den gepflasterten Innenhof hineingeht in den verwinkelten Bungalow, der versteht, warum hier das Herz des Viertels schl?. Zuerst kommt einem das ?m?e Geschrei von einem Dutzend Kinder entgegen, die hier ihren Vormittag verbringen. Zwischen drei und sechs Jahre sind sie alt und haben es ziemlich eilig. Raus aus den Schuhen, ab in die Turnhalle. Dort springen Joel, Riha und Mike von der Kletterwand: "Guck mal, ich kann von ganz oben", sagt Aryub und springt auf die blaue Turnmatte. "Toll, du hast's drauf", feuert ihn Gerold Hirschler an, der Leiter. Azelia und Alia toben in einem Labyrinth, Martin, Dennis und Mark fahren ein Matchboxautorennen. Die Vornamen der Kinder verraten viel ? ihre Herkunft: ?er 70 Prozent haben Migrationshintergrund, bei den Schulkindern sind es 64 Prozent, und ihre Muttersprache ist nicht Deutsch. Die meisten Eltern leben in erster Generation bei uns: Kameruner, Ghanaer, T?n, Pakistaner, Algerier, Russen und Sinti. Sch?wenn sich die ersten Erfolge so fr?ie m?ch einstellen Hirschler erz?t von Kindern, die im Alter von sechs "sprachlos" in die Schule gekommen seien ­ ein riesiger R?tand, noch bevor die Schule ?haupt angefangen hat. Er erz?t von einem kasachischen M?hen, damals acht Jahre alt, versch?ert, mit dem er wochenlang nur in Zeichensprache kommuniziert habe. Um herauszufinden, welche Hausaufgaben zu erledigen seien, habe er die Klassenkameradin gefragt. "Der Einstieg in eine fremde Welt war f?as M?hen eine Katastrophe. Nach und nach aber ging es." Sobald erste Spracherfolge da waren, wich auch die Sch?ernheit. Diese ersten Erfolge wollen hart erk?ft sein ­ und so fr?ie m?ch. Deshalb bietet die SLS, die aus einem Nachhilfeprojekt der Matth?gemeinde hervorgegangen ist und seit 1983 ihr eigenes Geb?e hat, auch ein Programm f?orschulkinder. Die Spiel- und Lernstube wird vom Diakonischen Werk betrieben, 40 Prozent der Personalkosten ?nimmt das Land Rheinland-Pfalz, 40 Prozent die Stadt Worms. Hier l?t sich beobachten, wie die Kinder in fr? Jahren spielerisch das lernen, was nachzuholen Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern aus bildungsfernen Milieus sonst schwerf?t. Ein Manko der SLS-Stube derzeit: Die betreuten Kinder m?n mindestens drei Jahre alt sein. Wer kleinere Kinder hat, ist so gezwungen, zur Betreuung zu Hause zu Gerold Hirschler (oben links) b?igt nicht nur Krokodile, sondern freut sich auch, wenn seine Sch?inge richtig Krach machen und in Bewegung kommen. Dabei lernen sie die Sprache spielend. Und hinterher haben sie dann auch ein bisschen mehr Geduld f?ie Hausaufgaben.

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Diakonie magazin 1/2010 Titelthema Bildung ist mehr als rechnen, lesen und schreiben. Auch Teamarbeit geh?dazu. Die Kinder der Familie Nadeem (oben) haben in der Spiel- und Lernstube Deutsch gelernt. Sie wohnen ganz in der N?, hier im Viertel. bleiben ­ die M?r k?n sich keine Arbeit suchen. Und: Die Betreuung endet mit 14 Jahren. "Ab da wird's aber interessant", sagt Hirschler: Gerade in dem Alter brauchen viele Jugendliche besonders intensive Betreuung, die die SLS derzeit kaum leisten kann. Ab 2010 soll der Bungalow deshalb um ein Stockwerk erweitert werden, um Platz zu schaffen. Auch f?inen Veranstaltungsraum, auf den sich die Bewohner des Viertels schon freuen: endlich ein Ort, wo sie Geburtstage und Hochzeiten feiern k?n. Au?rdem soll es mehr Geld f?rofessionellen Nachhilfeunterricht geben. Doch Bildung ist mehr als nur lesen, schreiben und rechnen, wie sich in der SLS beobachten l?. Die Kinder haben sich jetzt genug bewegt, um halbwegs zappelfrei im Stuhlkreis zu sitzen. Veronika tr? eine rosafarbene Krone, sie hat heute Geburtstag. Ihre Mutter hat ihr Brezeln mitgebracht. Manchmal gibt es auch pakistanische oder t?sche S?keiten, Bofruits oder Meat Pie aus Ghana. Riha, Ayub, Martin, Dennis, Jonas, Sohib, Precious und Martin gratulieren, und zwar jeder einzeln, damit keiner im Chor untergeht: "Ich gratuliere dir", sagt Martin. "Gratulier" sagt einer, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist. Heute wird das Laternenfest vorbereitet, zu Ehren von Sankt Martin. Wer das war, m?e Erzieherin Britta Kaluza wissen: "Ein Soldat, der hat dem armen Bettler gehilft", sagt ein Kind, und ein anderes erg?t: "Der Bettler hat gesagt: ,Hilf mir doch in meiner Not, sonst frisst der Frost meinen Po.`" Ein paar Meter von der Spiel- und Lernstube entfernt wohnt Familie Nadeem in einem kleinen Haus. "Ich arbeite zwar in einem Restaurant in der K?, aber meistens bin ich Taxifah-

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Titelthema Diakonie magazin 1/2010 rer f?eine Familie", sagt Vater Zahid Nadeem und lacht: Tochter Shahida braucht neue Kontaktlinsen, Nadeem muss Weihnachtsgeschenke f?ie Kinder?tin besorgen, seine Frau Shamim Akhtar m?e einen neuen Teppich kaufen. Und zur Arbeit muss er trotzdem noch. F?Kinder der Naadems haben in der Spiel- und Lernstube Deutsch gelernt, gespielt und ihre Hausaufgaben gemacht. Zahid Nadeem, ein zug?licher, gespr?iger Mann, kam im September 1988 nach Deutschland. Er hatte gerade sein Abitur gemacht, wollte Handel und Wirtschaft studieren und kam zun?st f?in Auslandssemester nach Deutschland. Doch der B?rkrieg in seiner Heimat Karatschi (Pakistan) bewog ihn, hierzubleiben. "Meine Kinder sollen studieren, und dann sollen sie in dem Fach arbeiten, das sie studiert haben" Armut und Bildung ­ Infos und Links Armut hat viele Facetten, und es geht nicht immer um Geldnot im engeren Sinne: Armut zeigt sich bei Kindern etwa, wenn sie ohne Fr??und angemessene Schulmaterialen in die Schule kommen oder wenn ihre Kleidung nicht der Jahreszeit entspricht. Arme Kinder sind au?rdem h?iger ?gewichtig und k?n nur eingeschr?t am sozialen Leben teilnehmen: Ein Musikinstrument zu lernen oder mit den Klassenkameraden ins Kino zu gehen ist f?ie nicht m?ch. Besonders schlimm ist Bildungsarmut ­ denn sie ist besonders schwer zu bek?fen. Knapp ein F?el der Bev?rung, aber schon ein Drittel aller Kinder unter sechs Jahren hat einen Migrationshintergrund ­ damit sind Menschen gemeint, die nach 1950 eingewandert sind, und deren Nachkommen. Kinder und Jugendliche aus Familien haben ein "Armutsrisiko" von 32,6 Prozent. Als von Armut bedroht gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. In Deutschland liegt diese Grenze bei 781 Euro netto. Zum Vergleich: Bei Kindern ohne Migrationshintergrund betrifft das nur 13,7 Prozent. Die Weichen in Richtung Bildungsarmut werden schon in fr?ter Kindheit gestellt: Armutsgef?dete Kinder besuchen seltener und sp?r eine Kindertagesst?e. Viele Kinder starten deshalb mit einem entscheidenden Manko ins Schulleben: Sie sprechen nicht ausreichend deutsch. Unabh?ig von Intelligenz, Entwicklung und Leistungsbereitschaft gehen sie also bereits mit einem R?tand ? die Startlinie ­ dazu kommen h?ig ?frachtete Lehrpl? und Eltern, die ihren Kindern nicht die n?e Unterst?ng bieten. Viele Kinder holen diesen R?tand nie mehr auf. Leider sind mangelnde Bildung und Ausbildung vererbbar: Etwa 83 Prozent der Kinder von V?rn mit Hochschulabschluss studieren, aber nur 23 Prozent der Kinder von Nichtakademikern. Aber gute Ausbildung scheint ebenfalls vererbbar zu sein, auch unter Migranten: "Kinder qualifizierter Zuwanderer studieren ebenso h?ig wie deutsche Kinder." Links zum Thema: Eine umfassende Handreichung, wie man Kinderarmut begegnet, unter www.beta-diakonie.de/cms/BroschuereKinderarmut2.pdf Die Kinder sitzen am K?ntisch, der Vater sch? Kartoffeln und erz?t. Wie er als Kind jeden Tag f?Kilometer zur Schule gegangen ist. Wie er und seine Geschwister ihre Hausaufgaben bei Kerzenlicht machten, wenn der Strom ausgefallen war. Nachts schliefen sie im Bett der Eltern und froren h?ig. Wenn er sieht, wie seine Kinder heute leben, frage er sich manchmal: "Warum bin ich kein kleines Kind mehr?" Die Kinder kennen diese Erz?ungen ebenso wie die Botschaft dahinter: Ihr lebt hier im Luxus. Aber er wird euch nicht geschenkt. Nur wer sich anstrengt, kriegt auch einen guten Job. Also strengt euch gef?igst an! "Auf der ganzen Welt ist das Leben schwieriger geworden, die Konkurrenz ist ?all gro? Das Leben ist wie bei den Olympischen Spielen: Einer muss schneller rennen als der andere." Seine Frau steht in der K? neben ihm, deutet auf einen Haufen ungesch?er Kartoffeln und ermahnt ihn liebevoll: "Du sollst nicht nur reden, sondern auch arbeiten!" Das macht er und erz?t munter weiter: "Mein Traum war es, zu studieren. Meine Kinder sollen einmal in dem Fach arbeiten k?n, in dem sie auch studiert haben." ?er sich selbst sagt er: "Heute bin ich reich: Ich habe f?Kinder!" Karim, 17, macht gerade das Fachabitur, Shahida, 15, geht aufs Gymnasium, Hina, 12, will mal Tier?tin werden, und Komal, 11, und Soheb, 5, besuchen noch die Spiel- und Lernstube. Die drei Schwestern teilen sich ein etwa 15 Quadratmeter gro?s, aufger?tes Zimmer. An der T??en Text und Noten von "Im Fr?u zu Berge" und "Aus grauer St?e Mauern ziehn wir durch Wald und Feld". Am letzten Schultag der vierten Klasse hat eine Lehrerin es Shahida geschenkt. Auf dem Schreibtisch liegt ausgedruckt eine Koransure, im Regal stehen eine Einf?ng in den Koran, ein Buch mit Kinderliedern und Wahrigs "Die deutsche Rechtschreibung". Im Zimmer nebenan besch?igt sich Bruder Karim mit dem Buch "Industrielle Buchf?ng": Ertragskonto, Gewinn- und Verlustrechnung, solche Sachen. Dass die SLS eine christliche Einrichtung ist, st?den Vater ebenso wenig, wie dass seine Kinder Bibelgeschichten h?: Der dritte Armutsbericht der Bundesregierung unter www.bmas.de/portal/26742/property=pdf/dritter_armuts_ und_reichtumsbericht.pdf Diakonie in der Einwanderungsgesellschaft unter www. diakonie.de/diakonie-in-der-einwanderungsgesellschaft5465.htm Mehr dazu unter www.diakonie.de/2009-DankenDienenMirg-2009.pdf Spiel- und Lernstube Worms: J?n Maier, Telefon: 06241202334, Gerold Hirschler, Tel: 06241-33588

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Diakonie magazin 1/2010 Titelthema t?n, da gibt es wenig Gelegenheit, sich abzusondern." F?lle gilt die Regel: In der Spiel- und Lernstube wird nur deutsch gesprochen. "Manchmal sind wir Feuerwehr. Aber lieber helfen wir, Br?e zu vermeiden." Wie schreibt man "Migrationshintergrund"? Manche W?r sind wirklich schwer. Wenn Fatima Djabout eine Frage hat, hilft ihr Erzieherin Silke Aumann bei den Hausaufgaben. "Dagegen haben nur Extremisten etwas. Im Koran steht auch viel ? Jesus. Die Menschen hier tun Dinge f?ns, die Muslime nicht f?ns tun. Es sind liebende Menschen." Seine Frau Shamim Akhtar war dabei, als im Stadtteilb?das muslimische Fastenbrechen gefeiert wurde: Gut drei?g Menschen, etwa ein Viertel davon nichtmuslimisch, lie?n sich erkl?n, was es mit dem Ramadan auf sich hat. Im ersten Stock sa?n die M?er, im Erdgeschoss die Frauen. Koranverse wurden rezitiert, auf Arabisch und Deutsch. Umgekehrt kommt die Familie auch zur Weihnachtsfeier. Gerold Hirschler nennt die Nadeems eine "Vorzeigefamilie". Ob Mathenachhilfe, Sprach-, Gesundheits-, oder Computerkurs ­ es gibt kaum ein Angebot des Stadtteilb?, bei dem nicht mindestens ein Familienmitglied mitgemacht hat. Hirschler hat die Erfahrung gemacht, dass sich Migranten je nach Herkunft dem Leben in Deutschland verschieden weit ?en. "Die Pakistaner zum Beispiel legen gro?n Wert auf Bildung. Sie wollen hier funktionieren und mitmachen. Manche T?n und Sinti dagegen schotten sich eher ab, auch aus Angst um den Verlust ihrer kulturellen Identit? Ich will das nicht verallgemeinern, aber es ist die Tendenz." Die meisten Sp?ussiedler, aber auch Serben, Polen und Afrikaner seien sehr offen. Auch untereinander? Freundschaften zwischen Bewohnern mit demselben kulturellen Hintergrund w?n sich zwar leichter entwickeln, wobei: "Hier leben 14 Nationali- Die Spiel- und Lernstube versteht sich als wesentlicher Teil der Gemeinwesenarbeit, die auf der anderen Seite der Boosstra?, im Stadtteilb?Wormser S?, koordiniert wird. Quartiermanager J?n Maier f? durch sein Haus und erz?t von den Angeboten: In der K? im Erdgeschoss findet einmal pro Woche ein Frauenfr??statt; im Computerraum k?n Jugendliche f?hre Hausaufgaben recherchieren; dort findet auch die Jobberatung statt. "Wir sind die Erstanlaufstelle f?ewohner, die Hilfe brauchen." Viele kennen das soziale Netz in Worms kaum und wissen nicht, wie man es nutzt. "Wir bauen Br?n." Deshalb organisiert der Quartiersmanager Besuche in der Stadtteilbibliothek, in der Volkshochschule und im Diakonischen Werk. Bei akuten Problemen helfen die Mitarbeiter weiter. Viele Schuldenberatungen etwa werden erst aktiv, wenn die Schuldner ihre Unterlagen geordnet haben. Manche haben zwei Schubladen voll alter Rechnungen, Mahnungen und Vollstreckungsbescheide und sind ?fordert damit, Ordnung zu schaffen. Dann hilft das Stadtteilb? "Manchmal sind wir Feuerwehr", sagt Maier, "aber lieber helfen wir, Br?e zu vermeiden." Die Bewohner werden dort abgeholt, wo sie stehen. Maier zeigt die Brosch?"Stadtteilb?Wormser S? informiert" von 2008. Darin finden sich Sonntagspredigten ebenso wenig wie abstrakte Appelle zu interkultureller Toleranz oder Hinweise zur Bedeutung des interreligi? Dialogs. Stattdessen erfahren die Bewohner, dass es im Stadtteilb?die gelben M??e gibt, unter welcher Nummer der Sperrm?erreichbar ist, warum Essensreste nicht in die Biotonne geh?, warum sich der Kauf eines Sparduschkopfs lohnt und dass sich etwas Backpulver im Waschpulverfach der Waschmaschine mindestens so gut zum Bleichen und Fleckenentfernen eignet wie ein teures und weniger umweltfreundliches Mittel. Es ist sp?r Nachmittag, drau?n d?ert es langsam. Die Kinder in der Spiel- und Lernstube machen ihre Hausaufgaben. Sobald sie erledigt sind, wird zur Schatzsuche geblasen: Die Erzieherinnen haben im ganzen Haus kleine Zettel versteckt, auf denen Aufgaben stehen: Wie viele Erzieher arbeiten in der SLS? Welche Farbe hat der Belag im Turnraum links an der Wand? Wie viele Spieler braucht man f?ine Volleyballmannschaft? Was hat St. Martin dem Bettler gegeben? Zur Belohnung gibt es S?keiten. "Habt ihr alles geschafft?", fragt Hirschler im Nebenzimmer den Praktikanten Thorsten Ostmann, der mit Aron Lesen ge?hat. "Ich hab Thorsten geschafft", sagt Aron. Andreas Unger

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Titelthema Diakonie magazin 1/2010 Interview Ulrike Meyer-Timpe, Journalistin im Wirtschaftsressort der "Zeit", Autorin des Buches "Unsere armen Kinder. Wie Deutschland seine Zukunft verspielt" (Pantheon-Verlag) Bildung hilft gegen Armut Arme Kinder m?n optimal gef?rt werden. Das ist die beste Investition f?eutschland Wann ist ein Kind arm? Wenn es in einer armen Familie aufw?st. Insgesamt leben in Deutschland rund drei Millionen Kinder maximal auf Hartz-IV-Niveau, Kinder von Fl?lingen und Geringverdienern mitgez?t. Wie wirkt sich Armut auf Kinder aus? Sie k?n nicht teilhaben an Dingen, die Mittelschichtkinder erleben ­ vom Musikunterricht und Sportverein bis hin zum Nachhilfeunterricht. Sie f?n sich ausgeschlossen, haben weniger Erfolgserlebnisse und k?n so kaum ein gutes Selbstwertgef?entwickeln. Das erschwert auch das Lernen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Armut? Ja. Arme Kinder besuchen viel seltener weiterf?nde Schulen als wohlhabendere Kinder. Schon ein Arbeiterkind hat eine dreimal niedrigere Chance, eine Empfehlung f?as Gymnasium zu bekommen, als ein Akademikerkind ­ bei gleichen Leistungen! F?inder aus Hartz-IV-Familien ist die Relation noch schlechter. So wird Armut auf die n?ste Generation vererbt. Was k?n Kitas zur Vermeidung von Armut beitragen? Sie k?n die Folgen mildern. Dort ?das Kind soziales Verhalten und lernt, sich zu konzentrieren. Weil es f?iele ein Geldproblem ist, besuchen Kinder aus armen Familien seltener und k?r eine Kita als diejenigen aus Akademikerfamilien. Das wird sich noch versch?en, wenn das Betreuungsgeld f?ltern kommt, die ihre Kinder zu Hause behalten. Sie fordern in Ihrem Buch, armen Familien mehr Geld f?ie Kinder zu geben. Sollte man nicht besser Schulb?r oder Musikunterricht subventionieren? Das eine schlie? das andere nicht aus. Man darf Hartz-IV-Familien nicht pauschal unterstellen, sie w?n nicht f?hre Kinder sorgen. Nur f?bis acht Prozent dieser Eltern zweigen f?ich Geld ab, das ihren Kindern zusteht. Der Gro?eil bem?sich nach Kr?en, seine Kinder zu f?rn, und gibt mehr f?ie aus, als sie vom Staat bekommen. Ben?en Migrantenkinder besondere Hilfe? Migranten sind oft schlechter informiert ? unser Schulund Sozialsystem als deutsche Familien. Sie brauchen mehr Beratung. Aber unser sogenanntes Migrantenproblem ist in erster Linie ein Armutsproblem. Kinder iranischer Chef?te kommen in unserer Gesellschaft klar. Welche Angebote sollten Wohlfahrtsverb?e ausbauen? Ich bin ein Fan der "Stadtteilm?r" in Berlin: ein Projekt der Diakonie, bei dem Migranten anderen Migranten helfen. Auch Patenschaften, wie sie die Diakonie in Hamburg organisiert, sind gut. Es gibt viele Menschen, die sich gern f?inder aus armen Familien engagieren w?n. Wer ist f?ie Bildung mehr verantwortlich: Staat oder Eltern? Meist liegt die Bildung ihrer Kinder den Eltern sehr am Herzen. Aber der Staat muss gute Rahmenbedingungen bieten. Es nutzt allen, wenn auch arme Kinder gef?rt werden. Welche Ma?ahmen sind unabdingbar, um die Bildungschancen armer Kinder zu erh?? Alle Kinder m?n eine Kita besuchen k?n. Sie d?n nicht schon nach der vierten Klasse auf verschiedene Schultypen verteilt werden. L?eres gemeinsames Lernen w? die Chancen armer Kinder erh?, ohne die der anderen Kinder zu schm?rn. Ist Bildung f?lle in der Wirtschaftskrise ?haupt bezahlbar? Es gibt keine bessere Investition in die Zukunft unseres Landes. Wenn wir Kindern aus Hartz-IV-Familien heute nicht zu mehr Bildung verhelfen, m?n wir ihnen morgen genau wie ihren Eltern Arbeitslosengeld zahlen. Ein Viertel der Jugendlichen in Deutschland macht h?tens einen Hauptschulabschluss und hat damit kaum Chancen auf einen qualifizierten Beruf. Das hei?, wir schreiben ein Viertel unserer Jugend einfach ab. Das kann sich eine immer ?er werdende Gesellschaft nicht leisten. Die Fragen stellte Justine Schuchardt Fotos: privat

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Diakonie im Test In dieser Rubrik stellt sich die Diakonie mit ihren Einrichtungen dem Urteil von Experten. Die ehemalige WeltklasseRollstuhlfechterin Esther Weber hat getestet, wie barrierefrei das rollstuhlgerechte "Hotel am Kurpark" in Bad Herrenalb wirklich ist. Empfang auf Augenh?Echt freundlich und barrierefrei, das "Hotel am Kurpark" in Bad Herrenalb. Aber warum sind Behindertentoiletten eigentlich immer "unisex"?, fragt sich Esther Weber Wenn er brav auf dem Boden liegt, ist Stanley ein ganz normaler Golden Retriever. Mit gl?end hellem Fell, buschigem Schwanz und diesem rassetypischen braun?igen Blick, der klug und immer ein wenig traurig zugleich wirkt. Aber wenn Esther Weber ihre Jacke ausziehen will, wei?der "Vita-Assistenzhund" sofort, was zu tun ist. Stanley bei? in den Jacken?el und h? ihn fest, damit sein Frauchen den Arm besser herausziehen kann. Die ehemalige Weltmeisterin und Paralympics-Siegerin im Rollstuhlfechten ist seit einem Autounfall vor mehr als 20 Jahren teilweise gel?t. Keine Frage, hier ist ein eingespieltes Team am Werk. Und Stanley ist einer der Gr?, warum die 42-J?ige ihr Leben im Rollstuhl mit erstaunlicher Selbstst?igkeit meistert. Ein zweiter ist, dass Esther Weber noch genug Kraft und Gef?im linken Bein hat, um stehen zu k?n. Der dritte und ­ wie sie sagt ­ wichtigste Grund ist der Halt, den ihr der christliche Glaube gibt. Au?rdem ist sie einfach nicht der Typ Mensch, Esther Weber Jahrgang 1967 1988 erster Deutscher Meistertitel im Rollstuhlfechten mit dem Florett, danach bis 2004 weitere 17 nationale Meistertitel mit Florett und Degen 1992 Goldmedaille bei den Paralympics in Barcelona 1998 Weltmeisterin im Team in Euskirchen 1996­1998, 2000 und 2001 "Badens Sportlerin des Jahres" Fotos: Thomas H?r 2004 Preis des Bundesministers des Innern f?oleranz und Fair Play im Sport f?esondere Dienste Dreimalige Tr?rin des Silbernen Lorbeerblatts, der h?ten deutschen Sportauszeichnung, zahlreiche Ehren?er

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Spektrum Diakonie magazin 1/2010 der so schnell aufgibt. Sonst w? sie auch kaum drei Jahre nach ihrem Unfall zum ersten Mal Deutsche Meisterin im Rollstuhlfechten geworden. Aber sie hat sich nicht nur auf der Planche durchgesetzt, sondern auch im Umfeld ­ beispielsweise indem sie den damaligen ?ervater des deutschen Fechtsports, Emil Beck, dazu gebracht hat, den Olympiast?unkt Tauberbischofsheim f?ollstuhlfechter zu ?en. Und weil sie ohne Fahrer im eigenen Dienstkleinbus ihres Auftraggebers Otto Bock von ihrem Wohnort bei Waldkirch nach Bad Herrenalb in der N? von Karlsruhe unterwegs ist, f?t ihr auch sofort die erste kleine H? im eigentlich auf Barrierefreiheit ausgelegten "Hotel am Kurpark" auf. "Ich habe den Wagen jetzt direkt vor der T?eparkt, denn ich habe keinen Hinweis auf Parkpl?e f?ollstuhlfahrer gefunden", sagt sie der Dame an der Rezeption. Nicht Vorhandenes kann man auch nicht sehen ­ aber immerhin kann sie das der Rezeptionistin auf Augenh?sagen. "Da geht's in den meisten Hotels schon los", wei?die 42-J?ige, "vom Rollstuhl aus sieht man nicht oder kaum ? Tresen". Deshalb findet Esther Weber es auch "sch?dass man daran gedacht hat, einen Teil des Tresens niedriger zu bauen". Der erste Treffer sozusagen in den Augen der Rollstuhlfechterin f?as "Hotel am Kurpark". Oder der zweite, denn gut zug?lich ist das "Hotel am Kurpark" mit seinem ebenerdigen Zugang, den automatischen T? und einem breiten Korridor im Eingangsbereich auch. ?erhaupt wirkt das ?wiegend in Holz- und Rott? gehaltene Foyer des Hotels freundlich und einladend. Das hat zwar nichts mit Barrierefreiheit zu tun, sorgt aber daf?dass "man sich hier gleich wohlf?", meint Esther Weber. Auch im restlichen Geb?e kommt sie ?wiegend gut zurecht. Die G?e des erst im April 2008 er?eten "Hotel am Kurpark" sind deutlich breiter als in anderen Hotels. In den Aufzug passen zwei Rollst? hintereinander, und in den B?rn "f? man sich wie im Tanzsaal", wie Esther Weber bemerkt. Auch die Zimmer sind mit 27 Quadratmetern gro?und so eingerichtet, dass sich ein Rollstuhlfahrer gut bewegen kann. "Es gibt einen Spiegel, der so h?t, dass ich auch meine F?sehen kann", lobt die Rollstuhlfechterin. Generell ist das Haus f?in Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen ausgelegt, erz?t die Hausdame Sabine Gerlach. Das Hotel besch?igt 23 Mitarbeiter, von denen f?selbst leichte Behinderungen haben. "Wir stehen allen Menschen offen", sagt Sabine Gerlach und erz?t, dass das Publikum in ihrem Haus bunt gemischt sei. Ob Reisegruppen oder Individualreisende, ob Menschen mit und ohne Behinderung ­ im Hotel am Kurpark ist alles zu finden. Manche bleiben nur eine Nacht, andere gleich mehrere Wochen. Esther Webers Stippvisite dauert nur einen Nachmittag. Deshalb hat sie keine Zeit, die Sauna im Keller zu benutzen, obwohl auch die f?ollstuhlfahrer gut zug?lich angelegt ist. Nur im Umkleideraum "wird's bl? das w?mir zu eng, um mich umzuziehen". Und dass in den ansonsten gut benutzbaren Duschen keine Klappsitze montiert sind, versteht sie auch nicht ganz. Aber was die 42-J?ige offensichtlich wirklich Jetzt ausgezeichnet: "Hotel am Kurpark" Das "Hotel am Kurpark" der Paulinenpflege Winnenden in Bad Herrenalb wurde vom Verein Aktive Behinderte in Stuttgart und Umgebung (ABS) mit dem "Goldenen Rollstuhl 2010" ausgezeichnet. Der Verein vergibt diesen renommierten Preis seit Jahren f?esonders behindertengerechte Angebote im ganzen Bundesgebiet. 2010 wurden Reiseanbieter, Kulturund Freizeitangebote, Unterk?e und Reisebrosch? gew?gt. Der Preis wurde auf der Internationalen Ausstellung f?aravan, Motor, Touristik (CMT) in Stuttgart ?geben. Hotel im Kurpark: www.hotelak.de Paulinenpflege: www.paulinenpflege.de ABS: www.aktive-behinderte.de Auf Augenh?mit der Rezeptionistin, Platz im Restaurant, und auch im Zimmer wird's nicht eng f?sther Weber, Hund Stanley und Rolli ?ert, sind die Toiletten im Erdgeschoss. "Ich verstehe nicht, warum man in einem Haus wie diesem eine Damen-, eine Herren- und eine Unisex-Behindertentoilette baut, statt einfach die f?amen und Herren rollstuhlgerecht zu gestalten. Ich bin schlie?ich kein Neutrum, sondern eine Frau." Aber: "Das ist leider ?all so. Eigentlich sollten viel mehr Rollifahrer Architektur studieren. Und insgesamt ist das hier ein sehr sch?, freundliches Haus, das ich sehr gelungen finde." Sagt's, rollt mit Stanley im Schlepptau zum Auto vor der T?verstaut Hund und Rollstuhl ohne fremde Hilfe im Kleinbus und macht sich auf den Weg nach Hause. Eine Frau, die mitten im Leben steht ­ auch wenn sie das meistens im Sitzen tut. Hubert Heinz

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Diakonie magazin 1/2010 Lebenskunst Vermischtes Dieter Gebauer freut sich ? den Literaturpreis. Der 69-J?ige wohnt in den von Bodelschwingschen Anstalten Bethel in Bielefeld. Mit Affen singen und tanzen Da ?listet irgendwo in Afrika ein Affe eine Horde ge f?licher Krokodile. In einer anderen Gegend der Welt sind Steppenwolf, Grizzly und Kaninchen gemeinsam unter wegs. Geschichten und Lieder aus allen Kontinenten der Welt, sei es Ghana, Brasilien oder Neuseeland, pr?ntiert die For mation Kuntu mit dem M?henerz?er Hansj?Oster mayer, den Musikern Ann Fr?ch und Chris Portele. Die Lieder, T?e und Geschichten sind nicht nur zum Zuh? ge dacht, sie lassen sich nach den Noten und Erl?erungen im Beiheft leicht mitsingen und nachspielen. Zum Beispiel das traditionelle MaoriLied "Haere mai" ­ es macht mit dem Klang der MaoriSprache vertraut. Die deutsche ?ersetzung dieses Willkommensliedes findet sich auch im Begleitheft. Die kleine Melodie f? in eine neuartige Klangwelt: "Naturv?r ? all auf der Welt haben oft ein anderes Musikverst?nis als wir. Tonh? schwanken, Takt oder Silbenzahl sind h? oder k?r als erwartet." Die CD "Hier bin ich", 14,95 , Musikverlag Edition AMPLE, gibt es in allen Buch- und CD L?n, Bestellnummer: ISBN 978-3-938147-09-2 F?inder von 4­12 Jahren zum Mitsingen, Mitklatschen und Tanzen. "Meine Laune" gewinnt einen Preis Meine Laune ist gro?wie ein Fass. Meine Laune schmeckt wie Dreck. Meine Laune riecht wie Schuhwichse. Trotzdem bin ich immer gut gelaunt. Meine Laune h?sich an wie ein Kuckucksschrei. Meine Laune f? sich an wie eine alte Hose. Meine Laune sieht aus wie ne alte Hose. Meine Laune und ich sind unzertrennlich. Wenn ich mit meiner schlechten Laune in den Urlaub fahre, hat sie auch Urlaub. Dann hab ich keine schlechte Laune. Mehr Infos unter: www.ohrenschmaus.net Abbildung: Edition AMPLE, Foto: Sabine Feldwieser Mit seinem Gedicht "Meine Laune" hat Dieter Gebauer aus Bethel den ?rreichischen Literaturpreis Ohren schmaus 2009 in der Kategorie Lyrik gewonnen. Der Preis wird von Organisationen vergeben, die sich f?enschen mit Be hinderung einsetzen, darunter auch der Diakonie ?terreich. Jurymitglied Barbara Rett, Kulturredakteurin beim ORF, be gr?t in ihrer Laudatio, warum Dieter Gebauers Text so viel Anklang fand: "Gedichte sind wie gemalte Fensterscheiben, hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. Dieter Gebauers Gedicht ist wie eine bunt bemalte Fensterscheibe, durch die wir Au?nstehenden in sein Herz schauen d?n. Daf?anken wir ihm." Dieter Gebauer ?erte sich ent?cht, dass es so ei nen Preis in Deutschland nicht gibt: "Jetzt muss ich extra aus Bielefeld herfliegen, um in Wien meinen Preis abzuholen." Die CD "Best of Literaturpreis Ohrenschmaus" gibt es beim ORF. Sie enth? eine Auswahl der besten Texte von Menschen mit Lernbehinderungen, die bei Ohrenschmaus eingereicht wurden. Frank Hoffmann und Chris Pichler tragen die Texte vor. 14,50 Euro. Bezug: http://shop.orf.at/oe1.

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Lebenskunst Diakonie magazin 1/2010 Aus den Werkst?en der Diakonie Schlicht in der Form, best?ig im Material: Vesperbretter und Tabletts aus Kleinwachau Eine richtig gute Grundlage Das schmeckt immer: ein St?Wurst oder K?, ser viert auf einem soliden Holzbrett. Aus heimischer ­ s?sischer ­ Buche geschreinert, unbehandelt, nat?ch. Vor dem ersten Gebrauch noch einmal mit Speise?ingerieben, h? so ein Brett aus der Werkstatt des Epilepsiezentrums in Kleinwachau viele Jahre lang ­ vorausgesetzt, es lernt nie eine Sp?schine von innen kennen. Ob am K?ntisch, auf der Terrasse oder im Garten: Wenn Vesperbretter auf den Tisch kommen, kann die Konkurrenz aus HightechPlastik einpa cken. Richtig edel und mit sch?ohem Rand sind die Ta bletts, die ebenfalls aus der s?sischen Werkstatt stammen. Sie sind wasserfest lackiert mit einem Lack auf Wasserbasis und leicht zu pflegen. S?sisches Epilepsiezentrum Radeberg In der Werkstatt f?ehinderte Menschen im S?sischen Epilepsiezentrum in Kleinwachau gibt es in unterschiedlichen Gewerken Arbeitspl?e f?00 behinderte Menschen. Bestellungen: Kleinwachau, S?sisches Epilepsiezentrum Radeberg, Werkstatt f?ehinderte Menschen, Wachauer Str. 30, 01454 Radeberg, Tel. 03528/431-2470, www.kleinwachau.de f?nlinebestellungen Preisbeispiele: Tablett achteckig mit Metallgriffen, d = 45 cm (03390) 18,50 Tablett rechteckig mit Metallgriffen, 53 x 35 cm (03410) 17,00 Essbrett rund gro? d = 28 cm (03120) 3,60 Essbrett rechteckig mit Loch, 17 x 29 cm (03130) 3,50 Essbrett klein mit Griff, 12 x 28 cm (03150) 2,50 Essbrett gro?mit Griff, 19 x 40 cm (03160) 3,60 Stollenbrett mit F? 23 x 48 cm (03370) 8,50 Servierbrett mit Metallgriffen 23,5 x 51,5 cm (03463) 10,00 Fotos: Archiv Kleinwachau

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Diakonie magazin 1/2010 Lebenskunst Kultur Winn-Dixie. Mein zotteliger Freund Sie ist neu in der Stadt und einsam. Doch dann trifft die zehnj?ige Opal in einem Supermarkt auf einen herrenlosen Hund. Winn-Dixie ist das Beste, was ihr passieren konnte. Durch ihn findet das M?hen endlich Freunde. Wayne Wangs gelungene Verfilmung des herrlich schr?n Kinderbuchs von Kate DiCamillo ist h?h gemacht wie alle DVDs der empfehlenswerten Edition "Oetinger Kinderkino" und im Buchhandel erh?lich. Oetinger Kinderkino, 12,95 Euro Faur?uartett: Popsongs In der Regel spielt das Faur?uartett Mozart, Brahms und Schumann. Jetzt hat es St? aufgenommen, die alle aus der Popmusik stammen: von Feist, Ryan Adams oder Steely Dan, von den Pet Shop Boys oder Polarkreis 18. Die Popsongs hat das Faur?uartett in die Sprache eines klassisch-romantischen Instrumentariums ?setzt und f?ioline, Viola, Violoncello und Klavier arrangiert. Entstanden ist eine neue Art moderner Kammermusik. Deutsche Grammophon 476 361-0 It's a free world Als die Polin Angie entlassen wird, weil man in ihrem Betrieb gemerkt hat, dass Ukrainer noch billiger sind, dreht sie den Spie?um und gr?t selbst eine Zeitarbeitsfirma. Schnell ger?sie in einen Strudel und beginnt, die schwierige Lage von Illegalen im Land auszunutzen. Schonungsloses Portr?der allt?ichen Arbeitswelt an den R?ern der Gesellschaft vom Meister des sozialpolitischen Films, Ken Loach. good!movies (Neue Visionen), ca. 18 Euro Alfred Brendel: The Farewell Concertos Ende 2008 beendete der Pianist Alfred Brendel, ein Grandseigneur des europ?chen Musikbetriebes, seine Karriere ­ nach 60 Jahren auf der B?. Seine letzten Konzerte liegen jetzt in einer Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern vor: das "Jeunehomme"-Konzert von Mozart, Haydn'sche Variationen, Mozarts F-Dur-Klaviersonate KV 533, Sonaten von Beethoven und Schubert ­ plus einige Konzertzugaben der Extraklasse (Beethoven, Schubert, Bach). Leitung: Sir Charles Mackerras. 2 CDs, Decca 0028947821168 Young@Heart Young@Heart ist ein mitrei?nder Chor: Die S?er sind zwischen 75 und 92, vom Alter gezeichnet, manche schwer herzoder krebskrank, aber alle hochmotiviert. Mit Punk-, Soul- und Rocksongs bringen sie weltweit die S? zum Kochen. Regisseur Stephen Walker begleitet die Alten w?end der harten Proben, bei ihrem bewegenden Auftritt in einem M?ergef?nis direkt nach dem Tod zweier Chormitglieder und schlie?ich beim Konzert vor Tausenden von Zuh?n. Ein Film, der Lust aufs Singen macht. Senator, ca. 10 Euro Max & More: Tales In Rhythm Max & More nennen sich die Percussionisten Bernd Settelmeyer und Uwe K?r. Neben traditionellem Schlagzeug nutzen sie Instrumente wie Djembe, Steeldrum, Kalimba, R?nglocken, Becken, Gongs. Das Spektrum reicht vom traditionellen Strophenlied bis zur avancierten Komposition Neuer Musik. Kl?e, Ger?che und Gesang formen sich zu wahren Kaskaden oder intimen Zwiegespr?en rhythmischer und melodischer Art. dml records, CD 026

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Lebenskunst Diakonie magazin 1/2010 B?r f?ung . . . Christian N?erger: Mutige Menschen Mit einem Anschlag auf Hitler wollte Georg Elser 1939 den Krieg verhindern. Dem Schreinergesellen hat Christian N?erger in "Mutige Menschen ­ Widerstand im Dritten Reich" eines von zw?Portr? gewidmet. Ber?e und weniger bekannte Schicksale werden hier in schn?lloser Sprache sehr lebendig skizziert. Man sp? Mut ist einem nicht unbedingt in die Wiege gelegt, aber schreiendes Unrecht l?t ihn erstarken. Ab 13 Jahren, Gabriel-Verlag 2009, 302 S., 14,90 Euro . . . und Alt Armin Thurnher: Der ?erg?er Der Journalist Thurnher schreibt auf Anraten seines Verlegers ein Buch ? die Entstehung eines Romans. In einem Genrebild aus der Welt des klassischen Musikbetriebes tauchen namhafte Pianisten der Gegenwart auf. Als er erf?t, dass Brendel seine Abschiedstournee gibt, m?e er ihn f?ine Zeitung interviewen, was zu Verwicklungen f?. Ein Spiel mit der Grenze zwischen Realit?und Fiktion. Sehr unterhaltsam, nicht nur f?usikinteressierte Leser. Zsolnay-Verlag 2009, 254 S., 19,90 Euro Nina Petrick: Zweimal Marie Bei einer Klassenfahrt nach Ungarn lernt Anne Marie kennen, die ausschaut wie ihr Spiegelbild. Den zwei Zehnj?igen aus Hamburg und Ostberlin wird klar, dass sie Zwillinge sind. Wie in K?ners "Doppeltem Lottchen" kommt es zum heimlichen Schwesterntausch. Im Herbst 1989 spielt Nina Petricks gelungenes Buch "Zweimal Marie". Der Mauerfall er?et am Ende die Chance auf eine "Familienwiedervereinigung". Spannend und humorvoll erz?t, l?t sich hier Zeitgeschichte nacherleben. Ab 9 Jahren, Tulipan-Verlag 2009, 140 S., 14,90 Euro J?Acklin: Vertrauen ist gut Der Rollstuhlfahrer Felix begibt sich in die Pflege seines Bruders und dessen Frau. Der Bruder ist Schriftsteller; Felix tippt seine Texte ab. Das neue Manuskript aber kommt ihm seltsam vor: Wird da nicht die reale Brutalit?des Ehealltags geschildert und ein Massaker angek?gt? Immer weniger gelingt es Felix, die Welt seiner Pflegefamilie zu besch?en. Er wappnet sich mit einer Pistole f?en Ernstfall. Ein bizarres, spannendes Szenarium mit offenem Ende. Nagel & Kimche 2009, 160 S., 17,90 Euro Martina Wildner: Grenzland Immer ?r taucht die f?ehnj?ige Agnes in eine Parallelwelt ab. Ein Ritz mit dem Messer gen? um dahin zu gelangen und an einem riskanten Spiel teilzunehmen. Die Schnittwunden allerdings bleiben auch im wirklichen Leben. Martina Wildner schildert in "Grenzland" eine Jugendliche, die dem ? Alltag entfliehen will und dabei in einen gef?lichen Sog ger? Ein faszinierendes und zudem ausgesprochen sch?estaltetes Buch! Ab 12 Jahren, Fischer-Verlag 2009, 314 S., 19,95 Euro Dieter Wellershoff: Der Himmel ist kein Ort Pfarrer Henrichsen versagt die Stimme bei einer Predigt. Eine Lebenskrise ersch?rt seinen Glauben. Er trauert ? den Verlust seiner Freundin und sucht Liebe bei einer Exotin. Doch die Flucht aus der Einsamkeit gelingt nicht. In einem kirchlichen Seminar schlie?ich trifft der Pfarrer nur auf ?hebliche Funktion?, nicht auf Antworten. Sprachlich und emotional sensibel. Kiepenheuer & Witsch 2009, 304 S., 19,95 Euro Fotos: PR

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Reise Von Banken und Bienen Lebendige Kontraste pr?n das Frankfurter Bahnhofsviertel. Gr?rzeitpracht und Glast?, Rotlichtmilieu und scharfe K?. Und mittendrin, in einem Kirchturm, gibt's eine echte Imkerei K? unpers?ch, schnelllebig ­ das sagen M?ener oder Hamburger ? eine Stadt, von der sie vielleicht kaum mehr als den Flughafen und die Skyline kennen. Ja, die Bankent?. In keiner anderen europ?chen Gro?tadt reihen sich die Silhouetten so vieler Hochh?er auf engstem Raum aneinander. Fffft, sekundenschnell schie? der Aufzug im Main Tower hinauf zur 54. Etage. Anders als die meisten Hochh?er ist dieser hier auch f?esucher ge?et. Von der Aussichtsplattform auf knapp 200 Metern H?sieht man tief unter sich Scharen dunkel gekleideter Businessm?er und -frauen aus U- und S-Bahnstationen in die gl?rnen Banken und B??er str?. Hui und Pfui sind hier Nachbarn. "An der Taunusanlage und ihrer Verl?erung, der Mainzer Landstra?, grenzen Banken- und Bahnhofsviertel aneinander", erz?t KultoursStadtf?r Christian Setzepfandt. F?Bahnhofsviertel schl? das Herz des Historikers besonders. "Toleranz, Weltoffenheit, Liberalit? pr?n f?hn das Quartier um den Hauptbahnhof. Drogen und Kriminalit?im Rotlichtviertel ­ dieses Klischee des Stadtteils ist allerdings in den K?n deutlich st?er verankert. Nat?ch ist das auch ein Teil der Realit? Etwa 900 Prostituierte arbeiten im Bahnhofsviertel, der Drogennotdienst in der Elbestra? z?te Ende 2009 etwa 2600 Drogenkonsumenten. Doch zwischen Taunusanlage und Main gibt es nicht nur Junkie-Elend. Deutsche und T?n, Serben, und Kroaten, Italiener, Rum?n, Inder, Araber und diverse andere Kulturen kommen hier im Alltag miteinander aus, ihre Kleidung, Br?he, Essgewohnheiten und Ger? f?en das Viertel bunt. Vier Moscheen verbergen sich hinter den Fassaden ganz normaler Wohnh?er, es gibt zwei evangelische Kirchen, eine Synagoge und Gebetsr?e anderer Glaubensrichtungen. Auf der gelbroten Backsteinfassade des Logenhauses "Morgenr?, "Einigkeit " und "Wilhelm Meister" sind

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Lebenskunst Diakonie magazin 1/2010 Winkelma? Kelle, Zirkel und andere Freimaurer-Symbole abgebildet. Als das Bahnhofsviertel Ende des 19. Jahrhunderts entstand, war es ein st?isches Renommierviertel. Die Kaiserstra? war damals Frankfurts Prachtboulevard, mehr als 30 Meter breit. Hier sa?n reiche H?ler, bauten Patrizier pr?tige H?er, oft aus hellem Sandstein und mit Stukkaturen verziert. In den letzten Jahren sch?n sich einige Gr?rzeitfassaden wieder hinter br?lnden Verblendungen hervor. Donnerstags gibts auf dem Wochenmarkt einen Schlag k?icher Linsensuppe von der singenden Gisela. Die studierte Operns?erin steht seit Jahren auf dem Markt und ist zugleich im Vorstand des F?rvereins Bahnhofsviertel. Ein paar Ecken weiter, mitten im Rotlichtmilieu, steht die Wei?rauen-Diakoniekirche. Dort entstand ein Projekt der K?ler-Produktionsgemeinschaft Finger: die Stadtimkerei. Hoch ? einer befahrenen Ausfallstra? flogen vor drei Jahren erstmals Bienenschw?e aus dem zweiten Stock des Kirchturms. Nur 15 Meter ? dem t?ichen Betrieb vom "Tagestreff" f?enschen in prek?n Lebensumst?en und vom ?ergangswohnheim "Weser 5" brachten die Bienen in vier Monaten ? 150 Kilo Honig zusammen. Sie naschten in Parks, auf Friedh?, in Balkonk?en oder am Main. "Durch die Vielfalt schmeckt unser Honig besonders gut", behauptet Andreas Wolf. Gemeinsam mit Florian Haas initiierte er die K?ler-Produktionsgemeinschaft Finger. Bei ihrer Stadtimkerei arbeiten sie mit dem Frankfurter Verein f?oziale Heimst?en zusammen. "Menschen mit Suchterkrankungen oder psychisch Angeschlagene lernen bei dem Projekt Neues, auch ? sich selbst." Die Bienenv?r sind inzwischen einige hundert Meter weiter aufs Museum f?oderne Kunst umgezogen. Voller ?erraschungen, damit passt der Ursprung des Projekts prima ins bunte Bahnhofsviertel. Seit Jahrzehnten sind hier griechische Pelzh?ler zu Hause. Aus italienischen Pizzerien duftet es nach krossem Teig, beim t?schen Falafel-Imbiss dreht sich Fleisch am Spie? Im chinesischen Ding Ding Sheng auf der Moselstra? spiegeln sich Neonr?n in schwarzen Lacktischen. Der drahtige Vietnamese Nguyen Van Thrang schmachtet beim Karaoke im vietnamesischen Restaurant den Elvis-Song "Love Me Tender" ins Mikrofon. Dabei f? er sich fast wie in der Heimat, wo Familien und Freunde oft um die Wette singen. Beim Libanesen L'Emir kommen bei der Meze-Tafel im Minutentakt immer neue Sch?ln mit kr?ig gew?em Kichererbsenmus, Auberginenp? oder dem Petersiliensalat Tabuleh auf den Tisch. Nur ein paar Schritte sind es von hier bis ans Mainufer, wo in den Nizza-G?en Zitronen, Feigen, Zedern und im Sommer sogar Palmen ans Mittelmeer denken lassen. Und auf der anderen Seite des Flusses, f?u??er vom Bahnhofsviertel mit dem Holbeinsteg verbunden, trifft sich der Flaneur endlich mit den anderen Frankfurttouristen: Das Museumsufer l?t keiner aus, denn hier findet jeder ein Lieblingsthema: Architektur oder Kunst, Film oder Kommunikation. Simone Spohr Wer durchs Bahnhofsviertel geht, kann dabei sch?nd satt werden: Die "Goldene Schere" (M?ener Stra?) sorgt preisg?ig f?ine echt frankfurterische Frisur, bei Gisela Paul in der Kaiserstra? gibt es donnerstags hei? Suppe und Gr?So?. Wissenswertes ? das Frankfurter Bahnhofsviertel Tourist-Information Frankfurt, www.frankfurt-tourismus.de F?ngen: Kultours, Christian Setzepfandt, www.kultoursfrankfurt.de, Kulturothek, www.kulturothek.de International essen (Auswahl): Chinesisch: Ding Ding Sheng, Moselstra?, www.chinacard.de/main-dingdingsheng.htm, Libanesich: L'Emir, Weserstra?, www.lemir.de (gehobene Preise), Vietnamesisch: Hai Au, M?ener Stra? ?ernachten: Gut und g?ig: das Frankfurt Hostel in der Kaiserstra?. www.frankfurt-hostel.com Weitere Tipps: Stadtimkerei (Projekt Finger): Imkereif?ngen gibt es auf dem Dach des Museums f?oderne Kunst. Im Fr?hr starten hier etwa 650 000 Honigsammlerinnen. Ein Imkerei-Lehrpfad beleuchtet Stadtklima, Flugkreis der Bienen, Lebenszyklus einer Arbeiterin, Best?ungsleistung und viele weitere Aspekte. www.fingerweb.org oder www.mmk-frankfurt.de Fotos: Spohr

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Diakonie magazin 1/2010 Spektrum Meinung Kerstin Griese ist Vorstand Sozialpolitik im Diakonischen Werk der EKD Was Kinder brauchen Die Diakonie setzt sich f??e Regels?e f?inder und Jugendliche beim Sozialgeld ein. Doch Kinder brauchen mehr ­ eine kinder- und familiengerechte Infrastruktur Das Diakonische Werk der EKD hat die Verfassungsbe schwerde gegen die Kinderregels?e im Sozialgeld unterst?. Bislang liegt der Regelsatz f?rwachsene in der Grundsicherung f?rbeitsuchende bei 359 Euro f?as soziokulturelle Existenzminimum eines Alleinstehenden. Die Kinderregels?e gehen davon aus, dass Kinder und Jugend liche 60 bis 80 Prozent dieses Regelsatzes ben?en ­ je nach Alter zwischen 215 und 287 Euro. Aber brauchen Kinder und Jugendliche tats?lich weniger als Erwachsene? Kinder haben nicht weniger, sondern einen anderen Bedarf Kinder und Jugendliche haben nicht grunds?lich weniger Bedarfe als Erwachsene, sondern es entstehen andere Kosten. Kinder und Jugendliche wachsen schnell und brauchen ?r neue Kleidung und neue Schuhe. Schulverpflegung und Lern mittel m?n von den Eltern finanziert werden. Au?r schulische Bildungsangebote haben ihren Preis. Im Regelsatz f?inder und Jugendliche sind solche Kosten ?haupt nicht ber?ichtigt. Und anders als im Sozialhilferecht bleibt neben den pauschalen Leistungen des SGB II nur in wenigen Ausnahmef?en Raum, um mit erg?enden Leistungen indi viduelle Notlagen aufzufangen. Dies f? jedoch gerade im Bildungsbereich zu einem fatalen Teufelskreis: Studien belegen, dass Armut der gr? Risikofaktor f?ie Entwicklung eines Kindes und seiner Bildungschancen ist und Bildung ein nachhaltiger Schutz vor Armut sein kann. Aber wie Armut mit Bildung ?winden, wenn der Regelsatz eben diese Bildungskosten ausklammert? Die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zeigt: Es gibt keine sachgerechte Bestimmung des Existenzminimums f?inder. Kinder und Jugendliche sind aber die Generation mit dem h?ten Armutsrisiko. Rund 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche sind auf den Bezug von Sozialgeld im SGB II ange wiesen, f?50 000 Kinder erhalten die Eltern aufgrund ihres geringen Einkommens einen Kinderzuschlag. Ihre Situation hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Nun bewirken h?e Kinderregels?e steuerrechtlich auch h?e Kinderfreibetr?, von denen nur sehr gut Verdienende profitieren. Damit kein neuer Effekt einer Umverteilung nach oben entsteht, brauchen wir eine andere Systematik: H?e Kinderregels?e im SGB II m?n einhergehen mit einem Kindergrundfreibetrag, damit steuerzahlende Eltern gleicher ma?n unterst? werden. Kinderarmut in Deutschland steigt seit Jahren Die Diakonie setzt sich daf?in, dass die Kinderregels?e erh?werden und der Ausbau einer kinder und familienge rechten Infrastruktur gef?rt wird. Dazu geh? Rechtsan spr? auf kostenfreie Kinderbetreuung, Lernmittelfreiheit und kostenfreie gesunde Mahlzeiten in Kitas und Schulen. Nur so kann Kinder und Familienarmut nachhaltig entgegen gewirkt werden. Dienste und Einrichtungen der Diakonie, insbesondere Kindertageseinrichtungen, haben sich diesem Thema gestellt. Denn hier bietet sich die Chance, fr?itig pr?ntiv ausgerichtete Angebote zur Bildung, F?rung und Begleitung von betroffenen Kindern umzusetzen. Wer Kindern eine echte Chance geben will, muss sich f?edarfsgerechte Kinderregels?e und eine gute Infrastruktur stark machen, damit von Armut bedrohten Kindern M?ch keiten der Bildung und Unterst?ng geboten werden. Foto: Diakonisches Werk der EKD

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Spektrum Diakonie magazin 1/2010 Leserbrief Schreiben Sie uns: Diakonie magazin Stafflenbergstr. 76 70184 Stuttgart E-Mail: redaktion@diakonie.de Bitte geben Sie Namen und Adresse vollst?ig an. Zur "Meinung" von Diakonie-Pr?dent Klaus-Dieter Kottnik ? den Zusammenhang von Bildung und Armut, Diakonie magazin 4/2009 Vielen Dank f?ie wieder recht gelungene Ausgabe Ihres Magazins, das ich mit Interesse gelesen habe. Eine privatper s?che Anmerkung zu dem Beitrag von Pr?dent Kottnik: Zun?st teile ich den Inhalt des Artikels grunds?lich. Allerdings: Was ist an dem Anspruch auf das sogenannte Betreuungsgeld verwerflich? Er stellt die Entscheidung in das Ermessen der Sorgeberechtigten, ihr Kind in eine Einrich tung zu geben oder eben zu Hause zu erziehen. Was ist gegen eine h?liche Erziehung innerhalb der Familie einzuwen den? Wir als Kirche sehen die famili? Struktur doch als pr?nd und wichtig an. Und warum soll es f?iesen Teil der Familien eine finanzielle Ungleichbehandlung zu denen geben, die ihr Kind kostenlos durch Dritte betreuen lassen? Warum unterstellt man den Menschen, dass sie zu einer fr?ndlichen Bildung ihrer Kinder nicht auch selbst in der Lage sein sollen? Das ist in dieser allgemeinen Art eine Bevormundung und entspricht nicht dem evangelisch christlichen Menschenbild. Ein gro?r Teil der Kindertagesst?en ist zudem weder strukturell noch qualitativ in der Lage, dem von Herrn Kottnik zitierten Anspruch gerecht zu werden. Nach meinem Eindruck wird hier einfach die g?ige Meinung ?nommen, wonach institutionelle Kinderbetreuung dem gesamtwirtschaftlichen Interesse dienen soll und schon allein deshalb richtig ist. Das kann und darf aber nicht die kirchlichdiakonische Motivation sein. Mein Appell: Bitte etwas mehr Vertrauen in den Men schen hinsichtlich seiner pers?chen famili?n Planung . Ren?ange, Referent, Diakonie Sachsen, Radebeul Die Redaktion beh? sich vor, Leserbriefe zu k?n.

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Diakonie magazin 1/2010 Reportage Am Rollstuhl klebt Saharasand Jens M?r ist schwerstbehindert, doch statt im Heim lebt er in seiner Wunschfamilie: bei Theo D?r, dessen Frau Karin und den vier Kindern. Einmal im Jahr gehen Jens und Theo auf gro? Fahrt: Marokko, Aserbeidschan ­ das Ziel sucht Jens M?r aus Fotos:Theo D?r / Annette L?rs

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Spektrum Diakonie magazin 1/2010 Nerchau ist ein kleiner Ort, 4000 Einwohner, eine halbe Autostunde bis nach Leipzig. Im Sommer wogen rings um das alte Anwesen von Theo D?r und seiner Frau Karin bis zum Horizont gelb schimmernde Rapsfelder. Katzen, zwei Sch?rhunde, Schweine und H?r komplettieren die l?liche Idylle. Die D?rs haben vier Kinder ­ Jonathan, 16, Jeremia, 15, Tabea, 8, und Josua, 18. Und seit Pfingsten 1997 geh?Jens M?r zur Familie. Das f?iche Sie mag Theo D?r gar nicht. "Ich bin Theo und das ist Jens." Theo ist ein in sich ruhender, erdverbundener Mann ohne jedes Imponiergehabe. Er l?elt oft und gerne, besonders wenn er von seinem Freund spricht: "Jens ist Spastiker, weil er bei seiner Geburt im Dezember 1966 im Geburtskanal steckengeblieben ist. Seine Mutter konnte ihr Kind nicht pflegen, also sprang die Oma ein. Und sie sorgte daf?dass Jens acht Jahre lang einen Privatlehrer hatte. Viele glauben ja, dass Menschen mit einer Spastik automatisch auch geistig behindert sind. Jens ist aber v?g klar da oben", sagt Theo und tippt sich an die Stirn. "Oder?", fragt er in Richtung seines Freundes. Mit ein wenig Konzentration versteht auch der Unge?, dass Jens, m?m und mit Anlauf, Ja sagt. "Wenn was ist, ruf mich an." Der Mercedes-Kombi f?t die beiden Freunde zuverl?ig durch die Welt, bis auf das eine Mal, als ein Getriebeschaden sie stranden lie?In Theos Haus gibt es immer etwas, das repariert werden muss. Heute Morgen ist eine Bodenlatte der h?rnen Terrasse gebrochen. "Morsch", sagt Theo lakonisch und stellt Kaffeetassen auf den Tisch. Reparaturen kosten Geld und das ist knapp. F?ens hat er 1997 seinen Schichtdienst im Krankenhaus aufgegeben. Sie leben von dem bisschen, was Karin D?r verdient, Theo D?r bekommt nun Geld von der Pflegeversicherung f?ens, irgendwas zwischen 600 und 700 Euro ­ die Unterbringung in einem Heim w? teurer. Theo lacht. "Die arbeiten professionell, hei? es. Ich zwar auch. Aber eben privat." Kennengelernt haben sich die beiden in der Freikirchlichen Gemeinde von Nerchau. Jens' Gro?utter besuchte mit ihrem Enkel den Gottesdienst. Einfach hatte es die Oma nicht mit ihm. "Der Pfarrer fuhr Jens damals im Trabi einmal w?ntlich zu seiner Mutter zum Baden. Die Oma hatte nur ein Plumpsklo au?rhalb der Wohnung. Und Hilfsmittel hatte sie auch so gut wie keine", sagt Theo kopfsch?lnd. "Wenn was ist, ruf mich an", bot der Krankenpfleger damals spontan an. "Von 1992 bis 1997 meldete sich die Oma allerdings kein einziges Mal. Aber dann. Pfingsten um halb zehn Uhr morgens klingelte das Telefon. Mir geht es nicht gut, sagte die Oma." Theo fackelt nicht lange. Er nahm Jens mit zu sich auf den Hof.

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Diakonie magazin 1/2010 Spektrum "Die Oma sollte sich erst einmal selbst erholen. In der Nacht ist sie dann aber gestorben. Jens hat damals bitterlich geweint. F?hn brach die einzige Welt zusammen, die er kannte." Kurz entschlossen hielt der Krankenpfleger einen Familienrat ab. "Jens wollte nicht ins Heim. Ich habe nicht daran gezweifelt, dass Gott mir Jens vor die T?elegt hat. Meine Frau sagte: Okay, wenn du dir das zutraust. Ich kann das nicht." Theo zuckt die Achseln. "Ich kann das eigentlich auch nicht, ich tu es einfach. Am Anfang stand unser Familienleben nat?ch erst mal auf dem Kopf." Nach dem Mittagessen zeigt Theo das Zimmer, das er damals f?einen Freund eingerichtet hat. In einer selbst gebauten, aus bunten Steinen gefliesten Badewanne mit Sitzfl?e wird Jens gebadet. Theo zieht ihn an, er schiebt den Rollstuhl, er tr? ihn, wann immer es sein muss. Er f?rt seinen Freund und sorgt daf?dass er gen?d trinkt. Ein anstrengendes Prozedere. Eine halbe Stunde braucht er, bis Jens die Einliterflasche ausgetrunken hat. Allerdings hat der Krankenpfleger noch nie die Stunden gez?t, die er seinem Freund widmet. Mit Glac?ndschuhen fasst er seinen Freund aber nicht an. "Warum auch? Jens ist ein ganz normaler Mensch. Ich mache Druck, wenn ich finde, dass etwas nicht richtig l?t. Nat?ch streiten wir uns auch mal. Oder ich sage ganz deutlich: Jens, ich habe jetzt keinen Bock." Im Zimmer von Jens h?t eine gro? Karte von Afrika Einmal im Jahr geht Jens ins Heim, dann widmet sich Theo ganz seiner Familie. Diese drei Wochen Heim mutet Theo seinem Freund zu, aber genauso mutet er es seiner Familie zu, dass er einmal im Jahr ganz f?einen Freund da ist. Fotos aus vielen L?ern und eine gro? Landkarte von Afrika schm?n das Zimmer von Jens. Mit dem Rollstuhl in Afrika und irgendwo im Kaukasus. Einmal im Jahr n?ich packt Theo seinen Freund in den inzwischen 16 Jahre alten Mercedes-Kombi. Jens sagt, wo es Sozialsignal ­ Pflegefamilien Reisen machen gl?ich. Das gilt besonders auch f?ens M?r. Die beiden Freunde und "Sozialsignal" freuen sich ? jede Art von Unterst?ng. Kontakt: theo@sozialsignal.de oder Telefon 034382/42855. Weiterf?nde Infos unter http://www.sozialsignal.de F?anche Menschen mit Behinderungen k?n Gast- bzw. Pflegefamilien eine Alternative zu einer Wohneinrichtung sein. Eine Pflegefamilie muss bestimmte Voraussetzungen und Qualit?standards erf?n und die Fragen der Personal- und Sachkosten muss gekl? sein. Beratung bieten die regionalen Diakonischen Werke. Adressen unter: www.diakonie.de langgeht. Jedenfalls solange es machbar ist mit einem Fahrer, der gleichzeitig f?Essen zust?ig ist, f?eden Toilettengang, f?Waschen und Autoreparieren. Jens schl? im Auto auf einer dicken Matratze, Theo auf dem Dach. Zwei bis drei Stunden dauert es, bis die beiden Freunde morgens weiterfahren k?n. "Einmal sind wir in der marokkanischen Sahara gestrandet mit defekter Antriebswelle. Wenn ich selbst Panik kriege, dann m?e Jens helfen, und dann werden seine Kr?fe noch schlimmer." Also wurde erst mal das Zelt aufgebaut, und irgendwann kam ein freundlicher Marokkaner, der das Auto abschleppte. "Ich hatte echte Angst vor einem Getriebeschaden. Ein neues Getriebe h?en wir nicht bezahlen k?n. Ansonsten sind alle ?gste theoretische Gr?. Alles, was unterwegs passieren kann, kann zu Hause auch passieren." Noch immer klebt Sand aus der Sahara am Rollstuhl. "Den darf ich nicht abwischen", erkl? Jens lachend. Auf dem alten Mercedes prangt in riesigen Lettern "Sozialsignal". Der Name ist Programm. Denn Jens und Theo fahren nicht einfach nur zum Privatvergn?. "In arabischen L?ern merken wir oft, dass Jens und ich im Kopf der Menschen einiges in Gang setzen. In vielen L?ern werden Kinder mit Behinderung ja eher versteckt. Wenn unsere Reisen etwas dazu beitragen, dass man mit Menschen wie Jens offener umgeht, dann ist das doch was." ?er ihre Reisen berichten die

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Diakonie magazin 1/2010 Luft, Licht, Sonne: Jens genie? es sichtlich, rauszukommen aus dem Alltag und Neues zu erleben. beiden dann mit animierten Diashows. "Ich mache die Fotos, und Jens ist f?ie Musik verantwortlich. Es geht uns nicht prim?um sch?Landschaften, das machen auch die Typen auf Egotrip. Wir m?en die Zuschauer mit ins Auto nehmen. Sie sollen mit unseren Augen sehen", erkl? Theo in seinem voll gestopften B?mit den zwei gro?n Monitoren. Mit diesen Shows reisen die beiden herum ­ wo immer in Europa man ihnen einen Saal zur Verf?g stellt. Wer frische Br?en will, muss erst den Teig kneten Haben seine Kinder sich schon einmal beschwert, dass Papa zu wenig Zeit f?ie hat? Zumal Theo seit 2003 auch noch als Notfallseelsorger im Bereich Krisenintervention f?as Diakonische Werk Muldentalkreis zur Verf?g steht? Theo lacht. "Nee. Ich bin ja normalerweise mehr zu Hause als andere V?r. Au?rdem m?n sich die Kids gut stellen mit Jens. Der hat n?ich einen Fernseher im Zimmer, und wir haben keinen!" Viele der v?rlichen Aktivit?n beziehen die Kinder allerdings mit ein. Im Sommer veranstaltet Theo seit 15 Jahren mit Kindern und Jugendlichen Sommercamps. Auf einem Hof wie diesem ist vieles m?ch, wovon Stadtkids sonst nur tr?en. Wer aber morgens fr?r?en essen will, muss vorher den Teig vorbereiten und ihn in den primitiven Lehmbackofen schieben. Da kennt Theo keine Gnade. Und wer ohne Gameboy nicht leben kann, sollte keinen Campaufenthalt bei D?rs buchen. Viele schreckt das nicht ab, und inzwischen kommen die Kids sogar aus dem Ruhrgebiet. Nat?ch ist Jens immer dabei. "Wir hatten mal zwei angeblich ganz coole Typen hier, die wollten Jens l?erlich machen." Da sind die Jungs bei Theo allerdings an der falschen Adresse. "Am Ende des Aufenthalts hie?es bei denen: Jens hier und Jens da. Brauchst du noch was?" Und Bibelarbeiten geh? f?en Mann, der f?uneigenn?gen Einsatz und f?ervorragende Verdienste um Familie und Gesellschaft" 2004 die Annen­Medaille "Soziales Sachsen" vom S?sischen Staatsministerium f?oziales verliehen bekam, sowieso zum Programm. Wie gesagt: Theo D?r hat ein H?chen f?enschen, f?lles Verst?nis hat er aber nicht. Fassungslos zitiert er einen Arzt, der mal zu ihm sagte: "Ich wei?nicht, wer von Ihnen beiden mehr behindert ist. So sein Leben zu verschenken." Die Bemerkung hat der Krankenpfleger nicht vergessen. Man kann Arzt werden, weil man kranken Menschen helfen m?e. Man kann auch Arzt werden, weil man auf Statussymbole steht, Karriere machen und zur feinen Gesellschaft geh? will. Manche Menschen haben einen Porsche, Theo D?r hat Gottvertrauen. Die einen wollen sich selbst aufwerten, Theo wertet lieber andere auf. Jens zum Beispiel. Annette L?rs

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Lebensfragen Die Diakonie ber?Menschen in allen Lebenslagen, Menschen mit kleinen und gro?n Sorgen. In Kooperation mit der Telefonseelsorge behandeln wir in jeder Ausgabe Fragen, die oft gestellt werden. Der Autor leitet die Telefonseelsorge in Stuttgart.

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Lebenskunst Diakonie magazin 1/2010 Einsamkeit will geachtet sein Ein schwieriges Gef?­ und eine Urerfahrung f?eden Menschen. Wir k?n es trickreich ?decken oder ihm ab und zu Aufmerksamkeit schenken. Dann ist es schon weniger schlimm Illustration: Susanne Stra?r Fotos: XXXXXXXX Ich rede viel mit Menschen, die sich einsam f?n. Manche sp? ihre Einsamkeit deutlich, andere nicht. Da gibt es den erfahrenen Sozialp?gogen, der mit Jugend lichen arbeitet. Manchmal berichtet er von seiner Arbeit, und es klingt, als w? sein wichtigstes Ziel, dass die Jugendlichen ihn m?. Er legt sich f?ie ins Zeug, organisiert Praktikums pl?e, hilft, Stellen zu finden, organisiert Ausfl? Dennoch sind sein Gesicht und die K?rhaltung oft angespannt. Er wirkt oft so, als schaute er, wie andere ihn sehen. Auch im Umgang mit Kollegen. Er ist da ­ doch macht er gleichzeitig den Eindruck, als kontrolliere er sich selbst. Er kennt viele Menschen, aber er ist niemandes Freund. Mit seiner Frau unternimmt er viel, aber sie leben mehr nebeneinander als miteinander. Ich glaube, dass Einsamkeit ein weit verbreitetes Gef?ist, aber gern versteckt wird. Einsamkeit hat nichts damit zu tun, ob ich alleine bin oder mit anderen lebe. Ich kenne viele ver heiratete einsame Menschen. Einsamkeit entsteht, wenn Men schen sich selbst nicht liebenswert finden und sich danach sehnen, von anderen gesehen und geliebt zu werden. Es ist die Begegnung mit dem Ungeborgenen in uns, die wir Einsamkeit nennen. Wer beginnt, sich einsam zu f?n, tut viel, um dieses schreckliche Gef?nicht sp? zu m?n. Er strengt sich an, opfert sich auf f?ndere und leidet sogar f?ndere. Aber es ist ein einsames Anstrengen und Aufopfern, das oft nicht einmal wahrgenommen wird. Das Gef? einsam zu sein, l?t Menschen manchmal das Gegenteil von dem tun, was sie ersehnen: Sie igeln sich ein, sie halten sich in ihren Beziehungen zur? kritisieren nicht, haben Angst, von sich zu sprechen oder ihre Meinung zu sagen ­ nur um keinen Fehler zu machen und niemanden vor den Kopf zu sto?n. Irgendwann erstarren sie ­ eingezw?t zwischen Angst und Sehnsucht. Sie f?n sich hilflos und wissen: Ich kann nichts tun. Werden umso bitterer, je mehr sie versuchen, die Einsamkeit tief in sich zu verstecken. Wer sich innerlich einsam f?, funktioniert trotzdem oft sehr gut. Obwohl das Wichtigste nicht funktioniert. Es gibt keine tragende Beziehung. Wer so einsam ist, wei?mehr als andere um die Einsamkeit, der wir uns alle stellen m?n: dass es die tiefe, unl?re Verbindung zwischen Mutter und ungeborenem Kind nicht mehr gibt. Die ist seit der Geburt zu Ende. Diese tiefste Einsamkeit ist niemandem zu nehmen. Keine Bezie hung zu einem anderen Menschen kann sie heilen, um diesen Schmerz kommen wir nicht herum. Insofern besteht auch das wundervollste Paar aus zwei Menschen, die mit einander einsam sind. Sch?st es, wenn beide das wissen, achten und tragen k?n. In der Bibel steht: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Das hei?: Es ist gut, dass der Mensch in Beziehung sei. Wir haben also die Aufgabe, die tiefe Einsamkeit jedes Menschen zu achten und gleichzeitig in Beziehung zu gehen. Zu uns und zu anderen. Das Gef?der Einsamkeit wehren wir gern ab. Das ist verst?lich. Indem wir es abwehren, achten wir aber nicht auf das einsame Wesen in uns, zollen uns wenig Respekt und glauben bald nicht mehr, dass die Hinwendung zu uns selbst sinnvoll sein k?e. Anerkennung und Liebe, die nicht von au?n kommt ­ kann die denn etwas wert sein? Liebe, Anerkennung und Achtung von au?n ­ die muss dann allerdings sehr besonders sein und viele Belastungstests ertragen, bis ein Mensch, den die Einsamkeit gepackt hat, ganz vorsichtig anfangen kann zu glauben: Ja, da meint mich jemand wirklich. Ich begegne, wenn ich kann, einsamen Menschen aus dem inneren Wissen um meine eigene Einsamkeit. Ich halte sie in mir wach und achte sie. Das schafft einen Raum f?ndere, in dem etwas heilen kann, auch ohne Worte. Krischan Johannsen Ihre Fragen an uns Wenn Sie eine Frage haben, die wir an dieser Stelle er?rn k?n, schreiben Sie uns. Ihre Frage wird vertraulich behandelt. Zuschriften an: redaktion@diakonie.de Oder per Post an: Redaktion Diakonie magazin, Stafflenbergstra? 76, 70184 Stuttgart

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Eine Welt Sushi-Bar statt Frittenbude Wer sich gesund ern?en will, hat Fisch auf dem Speisezettel. Doch der weltweite Fischbestand ist gef?det, und die Netze der afrikanischen K?nfischer bleiben als Erste leer Hochwertiges Eiwei? lebenswichtige Fetts?en, Vitamine und Mineralstoffe: Gesundheitsbewusste Verbraucher essen immer mehr Fisch. Und Sushi-Bars sind ja auch viel schicker als fettige Frittenbuden! 15,6 Kilogramm Fisch kommt pro Kopf und Jahr bei den Deutschen auf den Teller, doch nicht einmal 15 Prozent davon stammen aus hiesigen Gew?ern. Das Gros wird importiert, aus tropischen Aquakulturen oder von hochseet?igen K?chiffen frisch auf den Tisch. Doch der Nachschub ist nicht gesichert: Nach Aussagen der Weltern?ungsorganisation hat sich der weltweite Fischbestand seit Anfang der 1970er Jahre halbiert. Deutsche Verbraucher m?n beim Fischkauf immer tiefer in die Tasche greifen, und K?nbewohner in Entwicklungsl?ern k?n sich ihr wichtigstes Nahrungsmittel oft schon nicht mehr leisten. 2,6 Milliarden Menschen sind weltweit f?ie Deckung ihres Nachhaltige Fischgr? Brot f?ie Welt und Ev. Entwicklungsdienst (Hrsg.): "Arbeitshilfe f?ie Gemeindearbeit zur Studie ,Zukunftsf?ges Deutschland`" (2009), Abschnitt "Fischereiwirtschaft", Download unter www.zukunftsfaehiges-deutschland.de/de/ zukunftsfaehiges_deutschland/materialien/bildungsarbeit. Weitere Informationen ? die Arbeit von Brot f?ie Welt und Evangelischem Entwicklungsdienst unter: www.brot-fuer-die-welt.de und www.eed.de World Wildlife Fund (Hrsg.): WWF ­ Fischf?r. Checkliste f?hren Fischkauf (2008), Download unter www.wwf.de/fisch

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Spektrum Diakonie magazin 1/2010 Eiwei?edarfs auf Fisch angewiesen. Badara Diop, ein Fischer aus dem Senegal, warnt die internationalen Flotten, die seine Fanggr? leerfischen: "Schadet uns und unserem Produkt nicht. F?ns ist Fisch eine Sache von Leben oder Tod." Internationale Fischfangabkommen werden missachtet Fotos: Christoph P?ner/Brot f?ie Welt; Stefan Obermeier/sodapix Die traditionelle Fischerei ist ein gef?licher Beruf. Wer wie die westafrikanischen Fischer mit handgekn?en Netzen auf kleinen Pirogen meterhohen Wellen trotzt, kann dem Meer nicht mehr Fische abringen, als f?as ?erleben der Familien ben?t wird. Am Ufer warten schon die Frauen,um den Fang zu konservieren und zu verkaufen. Doch die gro?n Fische kommen schon kaum noch in Ufern?. Seit ausl?ische Trawler in den K?nzonen unterwegs sind, gehen den traditionellen Fischern keine ausgewachsenen Thunfische mehr ins Netz. Auch viele kleine Speisefische landen in den engmaschigen Netzen der hochtechnisierten internationalen Fangschiffe ­ und werden tot zur?ins Meer gekippt. Dieser sogenannte Beifang macht bis zu einem Drittel der Fangmenge aus und zerst?ganze ?osysteme, wenn sich gro? Raubfische nicht mehr von kleinen Fischen ern?en k?n. Um die Fischer und ihre Rechte an den K?n zu sch?n, wurden 1982 im Internationalen Seerechtsabkommen den K?nstaaten die Fischereirechte innerhalb einer 200-MeilenZone einger?t. Daraufhin hat die Europ?che Union bilaterale Fischereiabkommen mit zahlreichen westafrikanischen Staaten abgeschlossen. Der Senegal war eines der ersten L?er, die Fangflotten aus Europa in ihren Hoheitsgew?ern wieder fischen lie?n, daf?ab's Entwicklungshilfezusagen von der EU. Die ?erfischung versuchte die Weltern?ungsorganisation 1995 mit einem "Code of Conduct for Responsible Fisheries" zu stoppen. Diese freiwilligen Richtlinien f?ine bestandserhaltende Fischerei wurden zwar von mehr als 170 Staaten unterzeichnet, aber sie werden bis heute kaum eingehalten. Die Neuformulierung der EU-Fischereipolitik, die ab 2013 gelten soll, bietet die Chance, verbindliche Regelungen f?achhaltigen Fischfang zu treffen. Im Rahmen des LobbyProjekts "Unfair abgefischt ­ Armut aufgetischt" unterst? der Evangelische Entwicklungsdienst westafrikanische Fischereiverb?e darin, ihren Forderungen gegen? der EU Geh?u verschaffen. Aquakultur: Ausweg oder Sackgasse? Die Fischer vor der K? Togos k?n sich noch so sehr anstrengen, in ihren Netzen zappelt nicht mehr viel. Sie fahren mit ihren Pirogen oft umsonst hinaus. Laichgrund gedient hatten. Dicht gedr?t ?leben Shrimps in den Zuchtbecken nur mit Desinfektionsmitteln und Antibiotika, die wiederum das Grundwasser verschmutzen. Und gro? Fische wie Lachs und Thunfisch futtern auch in Zuchtgehegen ein Vielfaches ihres K?rgewichts an kleineren Fischen. Auf der Suche nach umweltfreundlichen Alternativen werden pflanzliche Futtermittel getestet und weitgehend geschlossene Kreisl?e entwickelt. Beim Fischkauf sind Produkte aus ?ogischer Aquakultur zum Beispiel am Naturland-Siegel zu erkennen. Label als Einkaufshilfe Um die gro? Nachfrage nach Fisch und Meeresfr?en zu befriedigen, werden Fische und Shrimps jetzt oft in Teichen oder k?nnahen Meeresgehegen gez?et. Fast die H?te aller Fischprodukte stammt schon aus sogenannter Aquakultur. Doch was zun?st als schonende Alternative zum Wildfang gepriesen wurde, schafft neue Probleme: F?ie Anlage von Becken f?ie Krabbenzucht wurden in Asien und Lateinamerika ganze Mangrovenw?er abgeholzt, die den K?nbewohnern als Schutz vor Wellen und den Fischen als Das auf einigen Tiefk?ackungen aufgedruckte blaue Label des Marine Stewardship Council (MSC) steht f?chonende Fischereimethoden, bestandserhaltende Fangmengen und Schutz der Meere. Wer solche Kriterien beim Einkauf beachten will, kann sich an die Verbraucherhilfen von Greenpeace und vom World Wildlife Fund (WWF) halten. Darin ist aufgelistet, welche Fischarten man noch unbesorgt genie?n kann und welche bereits vom Aussterben bedroht sind. Das kann je nach Fanggebiet durchaus variieren, weshalb die deutsche Fischindustrie eine Initiative zur genaueren Fanggebietskennzeichnung f?eefische gestartet hat. Sp?stens Ende 2010 sollen sich alle in Deutschland vermarkteten Erzeugnisse der Seefischerei in ihr Herkunftsgebiet zur?erfolgen lassen. Franziska Krisch

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Diakonie magazin 1/2010 Spektrum Unsere Geschichten M?espiele, K?rkreise, Wichtelspa?Pina, Vincent und Nicolai erz?en von ihrem Tag in der Evangelischen Kindertagesst?e Winsstra? in Berlin. Samir erz?t auch, aber er darf nicht in den Kindergarten Pina, 5: Das Sch?e f?ich ist das Aufstehen nach dem Mittagsschlaf. Also, meine Freundin und ich, wir m?n nachmittags nicht mehr richtig schlafen. Daf?ind wir jetzt zu gro? Wenn die Kleinen noch in ihren Betten liegen, malen wir mit Buntstiften. Am liebsten bastle ich Hexenb?r. Ich bin f?Jahre alt. Seit drei Jahren gehe ich in die M?egruppe. Nebendran sind die K?r, und den Flur runter wohnen die Wichtel. Ich komme gern in die Kita. Hier habe ich Freunde, kann spielen und toben. Unser Raum k?e zwar gr? sein. Aber einmal in der Woche gehen wir in die Turnhalle. Drau?n k?n wir auch spielen. Und Beate, unsere Erzieherin, h?immer gut zu und erz?t so lustige Geschichten. Das machen alle Erzieherinnen bei uns. Manchmal m?n wir auch aufr?en. Es sollte schon ordentlich sein. Vincent, 5: Ich bin bei den K?rn, und am liebsten mag ich, wenn wir Fu?all spielen. Oder wenn wir Gesichter basteln, das haben wir neulich gemacht. Dazu haben wir uns im Spiegel angeguckt und dann mit Wolle, Federn und Wasserfarben K? gebastelt. Das war lustig. Was ich in der Kita nicht mag? Wenn man mich beim Spielen st? Hier kann man so viel machen. In der Kuschelecke gibt es B?r. Vor dem Morgenkreis rudern wir oft in unserem Schiff. Das ist aus Holz. Im Morgenkreis lernen wir viele Dinge. Da bin ich gern dabei. Eine Kerze brennt, wir erz?en, was wir am Wochenende gemacht haben, singen und beten. Eigentlich kann man da ? alles sprechen, genauso wie mit den anderen Kindern. Nicolai, 4: Ich spiel am liebsten mit meinen Verkehrszeichen. Freitags ist Spielzeugtag, da bring ich sie immer von zu Hause mit. Wir in der Wichtelgruppe haben sogar ein Aquarium. Mein liebster Fisch ist bunt, blau, gelb und rot. Zu Hause hab ich auch einen Goldfisch. Aber nur f?ie Badewanne. Der ist nicht echt und kann auch nicht so gut tauchen wie die im Kindergarten. Ich bin gerne hier und mag es, wenn wir Ausfl?machen. Dann besuchen wir Tiere auf einem Bauernhof. Samir, 4: Ich h?immer die Kinder, wie sie lachen und singen, aber ich darf nicht in den Kindergarten in unserer Stra?. Manchmal klettere ich dann ? den Zaun und klingele an der T?Ich will auch mitmachen. Die Erwachsenen dort sind nett. Aber sie bringen mich immer wieder zur? Mein Freund von nebenan darf dorthin, er hat Gl? Er hat auch arabische Eltern, wie ich. Er sagt, meine Eltern wollen nicht bezahlen f?en Kindergarten, und ich soll zu Hause bleiben. Aber da ist es langweilig. Ich will zu den anderen Kindern. Deshalb werd' ich wieder ? den Zaun klettern. Protokoll: Annette Bottler "Evangelisch macht Schule" Der Evangelische Kindergarten in der Berliner Winsstra? geh?zur Hoffbauer gGmbH. Das Tochterunternehmen der Hoffbauer-Stiftung (Potsdam) und der Stephanus-Stiftung (Berlin) ist ein evangelischer Bildungs- und Schultr?r mit mehr als 35 p?gogischen Einrichtungen in Brandenburg und Berlin. Unter dem Motto "Evangelisch macht Schule" sind rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter f?ast 5000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene t?g. Kontakt: www.hoffbauer-bildung.de Fotos: Annette Bottler

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Impressum Herausgeber: Diakonisches Werk der EKD, Stafflenbergstra? 76, 70184 Stuttgart, Telefon (0711) 2 15 90 Redaktion: Andreas Wagner (Chefredaktion), Ulrike Baumg?ner, Justine Schuchardt, Barbara-Maria Vahl, Telefon (0711) 2 15 94 55, redaktion@diakonie.de Mitarbeit bei dieser Ausgabe: Dr. Norbert Bolin, Annette Bottler, Ina Hochreuther, Dietrich Hub Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH, Emil-von-Behring-Str. 3, 60439 Frankfurt, Gesch?sf?r: J?Bollmann, Arnd Brummer, Verlagsleitung: Frank Hinte, Layout: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Aboservice: bruderhausDIAKONIE, Gustav-Werner-Stra? 24, 72762 Reutlingen, Telefon (07121) 27 88 60, E-Mail: alena.roesch@bruderhausdiakonie.de Anzeigen: m-public Medien Services GmbH, Georgenkirchstr. 69/70, 10249 Berlin, Telefon (030) 28 87 48 35, E-Mail: christoph@m-public.de. Zzt. gilt Anzeigenpreisliste 3/2009. Anzeigenleitung: Yvonne Christoph Druck: Bechtle Druck & Service GmbH & CoKG, Esslingen Bezugs- und Lieferbedingungen: Das Diakonie Magazin erscheint viermal j?lich. Der Bezug der Zeitschrift Diakonie Magazin ist im Mitgliedsbeitrag des Diakonischen Werkes der EKD e.V. enthalten. Dem Diakonie Magazin sind vier Regionalteile beigeheftet (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Hessen-Nassau), Verlag und Druck wie Bundesausgabe.

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Deutscher Pflegekongress 2010 ­ die erste Adresse f?ach- und F?ngskr?e der Pflege in diesem Jahr u. a. mit folgenden Themen: Pflege und Politik Berufspolitik und Personalgewinnung wiso s.e. Consulting GmbH Programminformationen und Anmeldung unter: www.hauptstadtkongress.de Gestaltung: Moniteurs, Berlin Fotos: Fox Fotoagentur: Uwe V?er, David Ausserhofer